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Zunächst noch ein kurzer Nachtrag zu den Mud Pools auf Viti Levu 🙂

Voll verschlammt
Voll verschlammt
Die Zombie-Apokalypse
Die Zombie-Apokalypse

Der immerhin 9-stündige Nachtflug von Nadi nach Singapur gestaltete sich als recht entspannt (merke: bei Fiji Airways bekommt man sogar ne Zahnbürste 🙂 ). Als ich in Singapur aus dem Flughafen trat, lief ich erst mal gegen eine Wand aus schwül-heißer Luft. Bereits morgens um sechs waren 30° mit gefühlten 1000% Luftfeuchtigkeit. Durchaus eine Umstellung von Fiji - dort war genauso warm aber mit stetem Luftzug und deutlich weniger schwül.
Im Hostel gab es dafür die übliche Schockfrostung mit geschätzten 18°C - durchaus angenehm.

Ein erster Spaziergang Richtung Innenstadt zeigte all meinen Sinnen eine recht typische asiatische Großstadt: Eine Bandbreite sämtlicher Geruchsvariationen auf engstem Raum, viele Menschen, lauter Straßenverkehr, moderne (Hoch-)häuser wechselten sich mit kleinen älteren Häusern ab. Wobei die Gerüche mit Abstand das Beeindruckendste waren: lecker gebratenes Hähnchen, gefolgt von erbrochenem Ananassaft (riechen Durians so?), stinkende Abgase, Curry und andere Gewürze. Und alles auf engstem Raum mit jeweils penetranter Stärke. Zarte Düfte sucht man - zumindest in den Straßen Singapurs - vergebens.

Durch das schwülheiße Klima und die eiskalte Klimaanlage in meinem 10-Bett-Zimmer war ich in den drei Tagen etwas limitiert in meinem Unternehmungsdrang (von der nahenden Rückkehr nach Deutschland mal ganz abgesehen), sodass ich Singapur nur reichlich oberflächlich kennengelernt habe. Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass die "Löwenstadt" ihren Charme erst auf den zweiten Blick zeigt.

Typisches Straßenbild
Typisches Straßenbild
Moderne Architektur gibt es in Singapur an fast jeder Ecke - hier die Kunsthochschule
Moderne Architektur gibt es in Singapur an fast jeder Ecke - hier die Kunsthochschule
Die U-Bahnhöfe sind wirklich sehr sauber
Die U-Bahnhöfe sind wirklich sehr sauber

Nach einem kurzen Jetlag-Nap galt mein erster Besuch den Gardens by the Bay und dem Marina Bay Sands (eines der weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt: ein Hotel (Betreiber ist Las Vegas Sands - daher der Name), das an ein Surfbrett auf drei Beinen erinnert) - ziemlich beeindruckend. Gardens by the Bay ist ein erst vor wenigen Jahren fertiggestellter riesiger Landschaftspark mit den sogenannten Super Trees - künstlichen Bäumen, die aber mit Pflanzen bewachsen und teilweise auch mit Solarzellen ausgestattet sind. Daneben gibt es etliche kleinere durchaus ansprechende und verhältnismäßig stille "Parks im Park", sowie zwei große Gewächshäuser.

Super Trees im Gardens by the Bay
Super Trees im Gardens by the Bay
2016 ist das Jahr des Affen
2016 ist das Jahr des Affen
Der Singapore Flyer ist mit 165 Metern das zweithöchste Riesenrad der Welt (nach dem High Roller in Las Vegas)
Der Singapore Flyer ist mit 165 Metern das zweithöchste Riesenrad der Welt (nach dem High Roller in Las Vegas)
Die Super Trees mit Sky Walk
Die Super Trees mit Sky Walk
Park-Idylle
Park-Idylle
Marina Bay Sands und Skyline von Downtown Singapur
Marina Bay Sands und Skyline von Downtown Singapur
Zahlenrätsel: Wieviele Kräne sind zu sehen?
Zahlenrätsel: Wieviele Kräne sind zu sehen?
Containerschiffe warten auf die Einfahrt in den Hafen
Containerschiffe warten auf die Einfahrt in den Hafen
Das dreibeinige Surfbrett, das Marina Bay Sands (rechts an der Spitze ist die Aussichtsplattform)
Das dreibeinige Surfbrett, das Marina Bay Sands (rechts an der Spitze ist die Aussichtsplattform)

Neben der Aussichtsterasse oben an der frei schwebenden Spitze des "Surfbretts" gibt es einen "Infinity Pool", der aber leider den Hotelgästen vorbehalten ist - schade, das ist bestimmt ziemlich witzig, dort quasi bis zum Abgrund schwimmen zu können. Aber die Zimmerpreise von ca. 700€ pro Nacht hatten mich dann doch etwas abgeschreckt... 😉

Blick auf den Infinity Pools des Marina Bay Sands und den Container-Terminal des Hafens
Blick auf den Infinity Pools des Marina Bay Sands und den Container-Terminal des Hafens
Singapore Flyer, Gardens by the Bay; der Schatten vom Marina Bay Sands ist deutlich zu erkennen
Singapore Flyer, Gardens by the Bay; der Schatten vom Marina Bay Sands ist deutlich zu erkennen
Blick nach Norden; vorne das ArtScience Museum, die Insektenaugen sind das Esplanade Theatre on the Bay
Blick nach Norden; vorne das ArtScience Museum, die Insektenaugen sind das Esplanade Theatre on the Bay
Blick auf die winzigen Super Trees
Blick auf die winzigen Super Trees

Allabendlich gibt es eine Lichtershow, bei der die Super Trees bunt angestrahlt werden - gut zu beobachten von der Dachterasse des Marina Bay Sands. Außerdem kann man von dort oben natürlich die Skyline und den riesigen Hafen (mit über 100.000 (!) Schiffsbewegungen im Jahr) betrachten. Und den Sonnenuntergang, der dank Smog eine knallrote Sonne zum Vorschein brachte.

Abendliche Skyline
Abendliche Skyline
Abendlicher Blick auf die Superbäume
Abendlicher Blick auf die Superbäume
Nächtliche Skyline von Singapur
Nächtliche Skyline von Singapur

Singapur zeichnet sich durch ein buntes Sammelsurium an Nationalitäten, Religionen und Sprachen aus: es gibt satte vier Amtssprachen (Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamil), und die verschiedenen Religionen koexistieren friedlich auf engstem Raum nebeneinander (Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Daoismus). Gerade letzteres finde ich durchaus ansprechend - macht die Diversität die Welt doch erst interessant...
Trotz allem gibt es natürlich gewisse ethnische "Klumpungen" in Singapur, am bekanntesten sind Chinatown und Little India. In beiden Stadtvierteln sieht man tatsächlich überwiegend Chinesen bzw. Inder - in anderen Stadtteilen ist das Erscheinungsbild weitaus gemischter. Trotzdem gibt es auch hier Seite an Seite Tempel verschiedener Religionen.

Chinatown
Chinatown
Die Food Street in Chinatown - Restaurant an Restaurant und wirklich lecker und trotz Touristenmassen nicht sonderlich überteuert
Die Food Street in Chinatown - Restaurant an Restaurant und wirklich lecker und trotz Touristenmassen nicht sonderlich überteuert
Der Buddha Tooth Relic Temple in Chinatown
Der Buddha Tooth Relic Temple in Chinatown
Neben dem Buddha-Tempel liegt der Sri Mariamman Hindu-Tempel
Neben dem Buddha-Tempel liegt der Sri Mariamman Hindu-Tempel
Farbenprächtige Klamottenläden in Little India
Farbenprächtige Klamottenläden in Little India

Am letzten Tag wollte ich mir dann noch etwas Stille (auch für die Nase) gönnen und fuhr zu den Botanic Gardens. Wie so oft in diesen Städten ist der botanische Garten ein riesiger gemütlicher und ruhiger Park. Dachte ich zumindest. Riesig war er zwar, aber die Gemütlichkeit war zumindest anfangs etwas beschnitten aufgrund etlicher Monsterrasenmäher, die laut lärmend über die Wiesen fuhren. Etwas abseits waren dann nur noch einige nervig-sirrende Rasentrimmer am Werk. Aber nach zwei leckeren frischen Fruchtsäften und einer Portion Spaghetti Carbonara (Ja, ich war irgendwie erstaunlich hungrig in Singapur 😉 ), waren sie allesamt verstummt, sodass ich doch noch gepflegt vor mich hin lustwandeln konnte 🙂
... und plötzlich ein züngelnder Waran meinen Weg kreuzte, der auf einen Baum kletterte, dort reglos verharrte, bis ich all meine Fotos gemacht hatte, und anschließend kopfüber wieder runterkletterte. War mir irgendwie nicht bewusst, dass diese Echsen auf Bäume klettern können... Welch ein netter Abschluss - waren die animal sightings in Singapur doch ziemlich dürftig gewesen.

Der Botanische Garten
Der Botanische Garten
Kleiner Seerosenteich
Kleiner Seerosenteich
Ein Mönch, ein Mond
Ein Mönch, ein Mond
Das kleine Purzelchen - hängt wie festgetackert am Baum
Das kleine Purzelchen - hängt wie festgetackert am Baum
Und wieder abwärts
Und wieder abwärts

Und nun bin ich tatsächlich wieder in good ol' Darmstadt. Auch nach zwei Tagen noch völlig surreal. Bereits im Flieger (a propos: Mit Singapore Airlines fliegt es sich wirklich ziemlich entspannt und wohlumsorgt, es gab sogar eine Menükarte - auch wenn es dann trotzdem auf die Frage "Chicken? Beef? Vegetarian?" rauslief) hatte ich mehrfach das Gefühl, dass es sich irgendwie nicht richtig anfühlt, jetzt wieder nach Deutschland zurückzukehren...
Aber wie dem auch sei. Man wird sehen, wie es weitergeht.

Alles in allem war es wirklich geradezu obszön, wie viele wirklich unvergessliche und einfach rundum schöne Momente ich in den letzten fünf Monaten erleben durfte - teils allein, teils mit lieben, netten Menschen zusammen. Meine Sicht auf einige Dinge in der Welt und in meinem Leben hat sich durch diese Reise durchaus etwas verschoben...

Ich freue mich schon auf meine nächste Reise!

Die Feejee-Experience (mit satten acht "E"s 😉 ) ging morgens wie üblich mit dem komfortablen Pickup vom Hostel los. Ich hatte mich noch mit Laura (a propos: Willkommen im Kreise der erlauchten Leserschaft 🙂 ) zum Frühstück getroffen; sie hatte versucht, noch spontan für einen Tag mitzukommen, was aber leider nicht möglich war. Insofern ging's dann also nur für mich mit zehn anderen Mitreisenden und Suka, unserem Guide, Richtung Süden. Es hatte die ganze Nacht durchgegossen und auch am Montag war es kontinuierlich mal mehr mal weniger am regnen. Der erste Stopp führte auf die Robinson Crusoe Insel an der Westküste von Viti Levu, der Hauptinsel von Fiji. Es goss die ganze Zeit weiter... Insofern waren die Aktivitäten etwas limitiert und beschränkten sich auf Biertrinken, Essen und Palmwedelflechten. Etwas schade, dass das Resort dort nicht ein größeres "Regenprogramm" hatte (normalerweise gibt es dort eine Vorführung von Fire-Walkern). Naja. Machte nix. Abends stieß noch Jessica zu uns, die unser Guide (bzw. der Veranstalter) vergessen hatte, einzusammeln. Sollte nicht die einzige Verplantheit bleiben...

Anlegestelle für die Fähre nach Robinson Crusoe Island
Anlegestelle für die Fähre nach Robinson Crusoe Island
Wassermusik zur Begrüßung auf Robinson Crusoe Island
Wassermusik zur Begrüßung auf Robinson Crusoe Island
Bridie und Suka beim Palmwedel-Flechten
Bridie und Suka beim Palmwedel-Flechten
Abends mit Bier und Cocktails
Abends mit Bier und Cocktails

Der Dorm mit 16 Einzelbetten (ja, keine quietschend-wackelnden Etagenbetten!) erinnerte mich sehr an den Kinderschlafsaal in der Verfilmung von Gottes Werk und Teufels Beitrag (den habt Ihr ja bestimmt auch gerade vor Augen). War aber ziemlich lustig (wie gesagt, gab ja kaum was zu tun außer schwatzen und Bier und/oder Cocktails trinken...)
Am nächsten Morgen goss es nicht mehr nur aus dem Himmel aus Eimern, sondern auch noch in der Bucket Shower mit selbstgezapftem Wasser 🙂 . Selbige war aber deutlich gemütlicher als erwartet und irgendwie besser regulierbar als die große Dauerdusche.

Nach einem netten Frühstücksbuffet ging es zurück ans "Festland" und weiter an der Coral Coast entlang nach Süden/Osten. Da es wirklich SEHR regnete und die Wolken entsprechend trostlos-grau über der Landschaft hingen, hat man aber von letzterer herzlich wenig gesehen, dafür von ersteren um so mehr. Ist ja auch was.

Typischer Blick aus dem Busfenster
Typischer Blick aus dem Busfenster
Hausdächer: immer aus Wellblech; Hauswände je nach Wohlstand des Besitzers aus Ziegeln, Holz oder Wellblech
Hausdächer: immer aus Wellblech; Hauswände je nach Wohlstand des Besitzers aus Ziegeln, Holz oder Wellblech
Ob die Milch wohl besonders wässrig sein wird?
Ob die Milch wohl besonders wässrig sein wird?
Selbst Leute, die in strömendem Regen arbeiten müssen, winken einem freudig zu
Selbst Leute, die in strömendem Regen arbeiten müssen, winken einem freudig zu

Nach einiger Fahrerei über z.T. geflutete Straßen standen wir vor dem Wanderweg zum Wasserfall. Der "Weg" bestand anfangs noch aus Betonplanken, die aber schon bald krass matschig-nass-bepfützten Schlammbahnen wichen. Das wechselte sich mit knietief-durchwatbaren Flussquerungen ab und zog sich gefühlt endlos hin. Inzwischen hatte es zur Abwechslung angefangen noch doller zu schütten. Dank meines leicht spießigen Regenschirms blieb ich aber verhältnismäßig trocken (das "Alter" hat durchaus auch seine Vorteile). Insgesamt gab es sechs oder sieben Durchquerungen, bei denen wir zum Teil von den uns begleitenden Fijianern halb durchgezogen wurden. Naja, hatte durchaus auch was lustiges. Und schlussendlich standen wir tatsächlich vor dem Wasserfall. Also, an der Felswand war das fallende Wasser halt etwas dichter und noch nasser... 😉

Die Straße zum Wasserfall. Quasi selbst ein inhärenter Wegweiser :-)
Die Straße zum Wasserfall. Quasi selbst ein inhärenter Wegweiser 🙂
Flussdurchquerung, die erste
Flussdurchquerung, die erste
Flussdurchquerung, die zweite
Flussdurchquerung, die zweite
Unser Grüppchen am Wasserfall
Unser Grüppchen am Wasserfall

Nach dem obligatorischen Gruppenfoto ging es auf dem gleichen Weg zurück, beim Bus gab es netterweise ein kleines Dorf, wo wir uns umziehen und zumindest einiger Nässe entledigen konnten.
Abends kamen wir im durchaus netten Uprising Beach Resort unter mit gutem Essen und einer abendlichen Kawazeremonie (als Vorbereitung auf die "richtige" Kawazeremonie am nächsten Tag). Naja, als Einwohner Fijis findet man immer einen Grund, eine Kawarunde ins Leben zu rufen... Da es - ok, es wird langweilig - natürlich immer noch regnete waren wir natürlich mal wieder zum Genuss von Flüssigdrogen angehalten (Kawa wird erst ab wirklich großen Mengen drogig). Sprich, es gab Bier und Cocktails und sinnfreie, dafür um so witzigere Trinkspiele. Mein Bierkonsum in Fiji ist/war wirklich bemerkenswert - es ist aber nicht mehr so wie früher zu Albans Fiji-Zeiten, wo es ausnahmslos Bier am Strand gab...

Der nächste Tag sollte schließlich der Höhepunkt in mehrfacher Hinsicht werden. Es ging schon mit einem Frühstücksbuffet mit Omelette-Station los, danach saßen wir aber erstmal wieder mehrere Stunden im Bus und schauten auf grau verhangene Berge (inzwischen goss es nicht mehr, regnete nur noch).

Häuser im Süden und Westen blieben von Winston weitgehend verschont
Häuser im Süden und Westen blieben von Winston weitgehend verschont
Einer der vielen Kawa-Läden in der Hauptstadt Suva - und freundliche Menschen, wohin man schaut
Einer der vielen Kawa-Läden in der Hauptstadt Suva - und freundliche Menschen, wohin man schaut

Vorbei an verschiedenen Dörfern, u.a. dem Haus des letzten Kannibalen-Häuptlings ging es hinein in die "Highlands" (Neil, einer der Mitreisenden mit Fiji-Elternteil, erzählte abends, dass besagter Häuptling im 19. Jahrhundert gelebt und angeblich mehr als 900 (!) Menschen und ziemlich wenig sonst gegessen habe). So was hatte ich auch schon im Lonely Planet gelesen. Irgendwie drängt sich mir da die Frage auf, ob das nicht eine etwas einseitige Ernährung ist, und ob er vielleicht an einem Proteinschock gestorben ist...

Die Häuser in den Highlands sind öfter aus einfachem Wellblech
Die Häuser in den Highlands sind öfter aus einfachem Wellblech

Schließlich erreichten wir das Dorf Nasautoka im Osten der Insel. Im Bus hatten wir das Vorgehen geprobt: Sarong umbinden, Schuhe aus, Rufen von "Ndua Oh" (als Klingelersatz) vorm Betreten des Gemeinschaftshauses und auf Antwort von Drinnen warten. Als erstes musste unser spontan ernannter Häuptling Neil (als Halb-Fijianer natürlich bestens geeignet für dieses ehrenhafte Amt) eintreten, gefolgt von den Männern (Stephan und mir); erst zum Schluss folgte das gemeine Weibsvolk. Ich fühlte mich durchaus etwas unwohl, vor den Frauen einzutreten... Chief Neil nahm vor dem Dorf-Häuptling Platz, wir normalen Stammesmitglieder an der Seite. Dann begann die traditionelle Willkommenszeremonie, bei der einer nach dem anderen der mehreren kokosnussbastberockten Männer des Dorfes ihrem Status und ihrer Rolle entsprechend alles mögliche anfingen zu rufen. Suka überreichte als Botschafter unseres Stammes das traditionelle Mitbringsel, eine in ganz untraditionelle Zeitung eingepackte Kawawurzel. Dann bekam Neil eine Schale Kawa gereicht und zum Schluss alle anderen Männer des Dorfes. Damit waren wir als neue Bewohner des Dorfes in die Gemeinschaft aufgenommen und der formelle Teil zu Ende. Wenn man bedenkt, dass drei Mal die Woche zwischen acht und 15 Touristen diese Zeremonie mitmachen, dürfte dieses Dorf die einwohnerstärkste Stadt des Südpazifiks sein...
Das Ende des formellen Teils erlaubte es uns, unseren Schneidersitz zu beenden (mein Knie knackte vor Freude ein laut vernehmliches Vinaka - Danke!) Im informellen Teil gab es eine kurze Vorstellungs- und Handschüttelrunde und Kawa für alle (so ganz informell war sie trotzdem nicht: Man darf sich dem Häuptling nicht von vorne nähern).

Typisches Bild in Nasautoka: Häuser plus Unicef-Zelt
Typisches Bild in Nasautoka: Häuser plus Unicef-Zelt
Beim Dorfbesuch mit Stephan, Suka, Audrey
Beim Dorfbesuch mit Stephan, Suka, Audrey
Bei der Willkommenszeremonie, das Kawa-Wasser wird aus einem Palmwedel in die Schale gegossen
Bei der Willkommenszeremonie, das Kawa-Wasser wird aus einem Palmwedel in die Schale gegossen
Suka mit der Kawawurzel
Suka mit der Kawawurzel

Naja, wie praktisch, dass ich jetzt ein weiteres Zuhause habe. Wenn ich das nächste Mal ins Dorf komme, möchte ich bitte als normaler Dorfbewohner erkannt und behandelt werden. Und wehe, der Häuptling erinnert sich dann nicht an mich! 😉

Nach einer kurzen Pause, während der die "Mütter des Dorfes" unser Mittagessen vorbereiteten und wir mal wieder angehalten wurden, allerhand Schnickschnack zu kaufen, gab es ein wirklich fantastisch-leckeres Mittagessen (auf dem Boden, Essen mit Fingern) aus überwiegend verschieden zubereitetem Gemüse (u.a. Brotfrucht, Süßkartoffel, Spinat, Kürbis).

Unser Mittagessen
Unser Mittagessen
Beim Dorfbesuch; mit diversen Fijianer(innen)
Beim Dorfbesuch; mit diversen Fijianer(innen)
Unsere drei Travel agents aus Brisbane bekamen gar nicht genug von den Kids
Unsere drei Travel agents aus Brisbane bekamen gar nicht genug von den Kids

Nach einer kurzen Abschiedszeremonie mit kurzer Dankesrede von Neil und erneutem Händeschütteln ging es nahtlos weiter zum nächsten Programmpunkt.

Im Februar zog Wirbelsturm Winston über den Pazifik und erwischte u.a. den Nordosten von Fiji schwer. Auf der Fahrt durch die "Highlands" hatten wir schon etliche zerfledderte Palmen und umgemähtes Gebäum gesehen. Die Primary School von Nasautoka mit acht Klassen, 114 Schülern und sechs Lehrern unterrichtet seit Winston zum Teil in Unicef-Zelten, weil nicht mehr genügend (gemauerte) Räume zur Verfügung stehen.
Der Besuch dieser Schule war mal wieder einer dieser besonderen und höchsteindringlichen Momente und definitiv mein Höhepunkt der Tour, wenn nicht sogar meines ganzen Fiji-Aufenthalts. Wir wurden quasi als Ehrengäste behandelt (die Touren, die drei Mal die Woche stattfinden, fahren unterschiedliche Schulen und Obdachlosenheime an - insofern kommen nicht drei Mal die Woche ein Haufen Bleichgesichter zu Besuch). Es war praktisch die ganze Schule versammelt und die Kinder führten verschiedene Tänze und Brüll-Kreisch-Sing-Lieder auf. Urkomisch und gleichzeitig höchst goldig. Und wenn man sieht, mit wie viel Spaß insbesondere die Kleinen bei der Sache sind und von einem Ohr zum anderen grinsen und ständig lachen, aber letztlich in wirklich ärmlichen Bildungsverhältnissen aufwachsen, wird einem wirklich anders zumute. Und sie waren wirklich knuffig! Hätt ich am liebsten alle eingepackt und mitgenommen... 🙂 Einer kurzen Vorstellungsrunde von uns mit Name, Beruf, Alter und Beziehungsstatus folgend, überreichte Neil unsere Mitbringsel, Schulgedöns wie Kreide, Stifte, Hefte, die wir morgens in Suva geshoppt hatten. Als wir uns schlussendlich nacheinander von der Schulleiterin verabschiedeten, meinte selbige zwinkernd zu mir, dass sie in Fiji ein Sprichwort hätten, das besagt, mit 40 fange das Leben erst an. Na, dann ist ja alles gut 🙂

Die Schüler bei der Aufführung
Die Schüler bei der Aufführung

Einige der Schüler
Einige der Schüler
Unser Rafting auf diesem Fluss fiel leider wegen der Wassermassen aus
Unser Rafting auf diesem Fluss fiel leider wegen der Wassermassen aus; einige Schüler müssen jeden Tag über den Fluss zur Schule

Überhaupt, die Fijianer sind so unglaublich freundlich - wir sind ja nun im Bus auf der Ringstraße einmal rund um die Insel gefahren. Sie sind ständig am Lachen und Winken: Frauen, Männer, alt, jung. Praktisch alle. Und wenn sie mal nicht zuerst winken, sondern man selbst aus dem Bus raus, fangen sie an zu lachen, winken zurück und rufen Bula. Dieses Land und seine Bewohner wird mir wirklich fehlen!

Die Nacht verbrachten wir im Golden Point Resort im Norden; von dem einige schon wussten, dass das Essen nicht so sonderlich toll sei. Kaum zu glauben. Sieht aus wie ein Fünf-Sterne-Resort mit Welcome-Drink und allem Zipp und Zapp. Aber was soll ich sagen. Die Portionen waren so winzig, dass sich das Restaurant wirklich um den Titel des weltweit einzigen Nulldiät-Restaurants bewerben sollte...
Zum Frühstück gab es entweder Eggs mit Toast oder Eggs mit Toast. Ich bekam die Eier, die Rochelle verweigert hatte, weil sie ihr zu glibberig waren. Waren entsprechend kalt. Das fand ich im Gegensatz zu den anderen aber irgendwie gar nicht so tragisch...

Am Abend hatte es sich schon abgezeichnet: Der Regen hatte AUFGEHÖRT. Sogar ein Fetzen blauen Himmels hatte es durch die Wolken geschafft. Und am nächsten Morgen dann strahlender Sonnenschein! Wir konnten unser Glück kaum fassen! Die Sonne (und vor allem Trockenheit) hatte mir ja durchaus gefehlt, obwohl ich mich mit meiner Bräune nicht beklagen darf (wie ein roter Faden zieht es sich durch meine ganze Reise: vor allem blasshäutige Europäerinnen fragen mich gelegentlich ziemlich neidisch, wie ich denn zu dieser Hautfarbe gekommen sei...)

Das Wetter wird besser!
Das Wetter wird besser!

Nach einiger Diskussion mit Suka, der bereits um zehn los wollte, damit Liina ihren Weiterflug am Abend sicher erreichen konnte, hatten wir ihn überzeugen können, sich (zur Abwechslung mal) an den Zeitplan zu halten und erst mittags loszufahren. Er hatte schließlich einen separaten Pick up für Liina organisiert. Insofern konnten wir den Vormittag in unserer Unterkunft nutzen, um verschiedene Dinge zu lernen: (a) Um die Hauptinsel herum schnorcheln zu wollen ist ziemlich kurzsichtig, (b) Im Meer mit schleimig-schlammigem Untergrund mit Audrey am Arm zu waten, kann ziemlich unterhaltsam sein, (c) Die ein oder andere Pool Rule (z.B. No Drinking in Pool) muss nicht wirklich eingehalten werden, wenn die Kellner in der Unterzahl sind.

Das könnt ich echt ne Weile aushalten - in jedem Arm nen hübsches Mädel...
Das könnt ich echt ne Weile aushalten - in jedem Arm nen hübsches Mädel...
Fische bei der Fütterung beim Golden Point Resort
Fische bei der Fütterung beim Golden Point Resort
Irgendwie ganz malerisch, das Golden Point Resort - und der Himmel erst :-)
Irgendwie ganz malerisch, das Golden Point Resort - und der Himmel erst 🙂

Auf der Fahrt an der Nordküste fuhren wir eine weile hinter einem Schulbus mit (wie immer) neugierigen Jungs. Als Suka zu Georgia (eine der Travel Agents) meinte, sie solle ihnen mal ein doppeltes Victory-Zeichen zeigen, sodass es ein W formt (ohne zu verraten, was es bedeutete), antwortete einer der Jungs (vielleicht 12 Jahre alt) im Bus mit einem Herz und zeigte auf Georgia. Gott, wie rührend. Das W, erklärte uns Suka daraufhin, bedeute in Fiji so viel wie "Stronger as Winston" (eines der Mädels aus der Schule macht das auch auf einem der Fotos oben, wie ich gerade gesehen hab) Als wir den Bus schließlich überholten, schmachtete der Junge noch mal herzerweichend Georgia an. Durchaus gute Stimmung im Bus (in beiden, wette ich 😉

Im Norden Viti Levus wird vor allem Zuckerrohr angebaut
Im Norden Viti Levus wird vor allem Zuckerrohr angebaut
Man sah oft Häuser ohne Wellblechdächer, die hat wohl Winston auf dem Gewissen
Man sah oft Häuser ohne Wellblechdächer, die hat wohl Winston auf dem Gewissen
Wäsche hängt vor wirklich vielen Häusern
Wäsche hängt vor wirklich vielen Häusern
Firmenschild von einem der weltweiten Exportschlager von Fiji: Wasser
Firmenschild von einem der weltweiten Exportschlager von Fiji: Wasser

Das letzte Ziel der Tour war die zweite Schlammschlacht dieser Tour. Und zwar in Form natürlicher Hot- und Mudpools, etwas nördlich von Nadi. Sprich, man hat sich von Kopf bis Fuß mit Schlamm eingematscht. Was durchaus lustig aussah. Außer bei Neil. Seine Hautfarbe war eh schon mud-brown, wie seine Freundin etwas enttäuscht feststellte... Durchaus witzig. Da ich nicht schon wieder Kamera und/oder Handy schrotten wollte, hab ich keine Fotos gemacht - warte noch auf Fotos der anderen. Werden entsprechend nachgereicht.

Liina war dort von ihrem Pickup eingesammelt worden - wie sich später rausstellte, hatte sie aber trotzdem ihren Flug verpasst (wobei die Meinungen auseinandergingen, wessen Schuld das nun war). Naja, inzwischen ist sie laut Facebook offenbar in Sydney angekommen...
Zum Abschluss hatten wir uns abends dann noch in einer Kneipe getroffen, wobei leider Suka nicht kam, weil er wohl von seinem Boss ziemlich zusammengestaucht worden war wegen Liinas Flugverpassung. Schade eigentlich.
Der Taxifahrer, der uns zur Bar brachte, war wie ziemlich viele andere Fijianer auch völlig aus dem Häuschen, weil ihr Rugby 7 Team Gold in Rio gewonnen hat - die erste Goldmedaille überhaupt für Fiji bei Olympia. Es sei ihnen von ganzem Herzen gegönnt!

Zu guter Letzt war ich am nächsten Morgen noch spontan nach Cloud 9 geschippert (mein Flug ging ja erst abends um 11 Uhr) - und Laura hatte von dem klaren Wasser dort geschwärmt. Das war der Trip, den ich eigentlich vor meiner Tour um die Hauptinsel gemacht haben wollte. Bei Cloud 9 handelt sich um einen Ponton am Ro Ro Reef bei den Mamanuca Islands mit Bar und wood-fired (!) Pizza - und Gelegenheit zum Schnorcheln und wirklich bizarr klarem Wasser.

Und was soll ich sagen - auch wenn das Wasser wegen Wind und Wellen nicht wirklich zum Schnorcheln einlud, war das wirklich nochmal ein schöner kurzweiliger Tag. Das Schwimmen war echt (zu) anstrengend. Insofern hab ich Aussicht, Bier und Pizza genossen und bis auf 1,60 $ meinen 60$-Verzehr-Gutschein optimal ausgenutzt 🙂

Mit dem Speedboat zu Cloud 9
Mit dem Speedboat zu Cloud 9
Cloud 9
Cloud 9
Welch eine Aussicht :-)
Welch eine Aussicht 🙂

Mein persönliches Fiji-Fazit: Im Gegensatz zu den anderen Stationen habe ich in Fiji praktisch nur Touren mit anderen zusammen unternommen. Und wider Erwarten war das für mich genau die richtige Entscheidung. Es war wirklich schön und hat extrem viel Spaß gemacht, so viele liebe Leute kennenzulernen (Nachteil: man muss sich für meinen Geschmack zu oft verabschieden). Auch wenn es zwischenzeitlich wirklich viel geregnet hat (Fiji sei's gegönnt, sie hatten etliche Wochen vorher überhaupt keinen Regen), tat es der Stimmung keinen Abbruch.
Auch wenn ich meinen Bierkonsum mal wieder nach unten korrigieren muss, war das eine gefühlte Verjüngungskur - sicher auch per positiver Rückkoplung begünstigt, weil mich niemand auf vierzig geschätzt hat (ok, vermutlich reisen Vierzigjährige einfach nicht (mehr) nach Fiji 😉 ).
Und die Dichte an schönen Momenten war in diesen gut zwei Wochen extrem hoch: In der Schule, im Bus mit Georgias Verehrer, sinnfreie Trinkspiele, in der Hängematte mit Katze, das "Fotoshooting" am Strand mit Laura, im Wasser mit Mantas - es waren genau solche Momente, die meinen Aufenthalt in Fiji unvergesslich gemacht haben.

Nun bin ich in Singapur und die Welt sieht wieder ganz anders aus. Aber dazu in meinem nächsten und vorerst letzten Post mehr.

Fiji ist ja nicht erst seit der Truman Show mit Jim Carrey ein Sehnsuchtsort. Etwa 330 palmenbewachsene Inseln, Korallenriffe und kristallklares türkisfarbenes Wasser und eine entspannte "Immer mit der Ruhe" Atmosphäre ist ein optimales Rezept zur Entschleunigung. Fiji liegt nördlich von Neuseeland an der "diesseitigen" Datumsgrenze. Mit Direktflügen von NZ, Australien, Singapur und Hongkong ist dieses Paradies ziemlich perfekt an die Umgebung angebunden.

Nachdem mein Flug von Brisbane nach Nadi (zweitgrößte Stadt auf der Hauptinsel Viti Levu) beeindruckend leer war, war es im Flughafen deutlich voller. Man wurde von ein paar singenden Fijianern begrüßt, während man in der dann doch erstaunlich langen Schlange auf die Einreisestempel wartete...

Spontaner Eindruck dann im Hostel: Mann, bin ich alt. Mal wieder alle nur halb so alt wie ich. Im Shuttlebus hatte ich bereits Romina aus der Schweiz kennengelernt, die im gleichen Hostel wohnte.

Abendstimmung am Hostel
Abendstimmung am Hostel

Mit ihr war ich am nächsten Tag in Nadi Downtown. Wir wurden zwar davor "gewarnt", nach dem Motto da gibt es nix, aber man will ja was von dem Land sehen, das man erst vor ein paar Stunden zum ersten Mal betreten hat... Naja, was soll ich sagen, sie hatten nicht so unrecht. Nadi ist eine erstens ziemlich hässliche und zweitens völlig langweilige Stadt mit vielen kleinen Souvenirlädchen. Und ich musste mich erstmal wieder dran gewöhnen, dass man ständig angequatscht wird und viele einem irgendwas erzählen - der Wahrheitsgehalt wird dabei oft recht großzügig ausgelegt... Unterscheidet sich nicht so wirklich stark von Bangkok, Buenos Aires u.ä. - nur ist Nadi deutlich kleiner, ganz Fiji hat nur ca. 900.000 Einwohner.

Aber immerhin war in Nadi gerade erstens Bula-Festival und zweitens der alltägliche Markt. Bula ist übrigens das Wort, das einem direkt mit Verlassen des Flugzeugs und überhaupt ständig entgegenschallt und man kann gar nicht oft genug BULA rufen (der gemeine Fijimann artikuliert dieses Wort in einer oft recht beeindruckenden Lautstärke, die gemeine Fijifrau ist da weniger dezibelhungrig). Es bedeutet letztlich nur Hallo, wird aber auch vorm Kawa-Trinken, nachm Kawa-Trinken (dazu unten mehr) und auch sonst ständig verwendet.

Besagtes Bula-Festival war recht putzig. Jedes Jahr Ende Juli/Anfang August ist es eines der größten Festivals in Fiji. Eine Art Flohmarkt mit ein paar Fahrgeschäften, wobei selbige etwas wackelig anmuteten. Die beiden Riesenräder waren nicht so wirklich riesig und bestanden aus ein paar nicht sonderlich vertrauenerweckend verschraubten Metallstreben... Es gab außer uns gerade mal etwa 50 Besucher (ausnahmslos Einheimische). Sehr skurril. Das lag aber vielleicht auch daran, dass es Dienstag mittag war...

Blick auf das Bulafestival
Blick auf das Bulafestival

Der Wochenmarkt war hingegen wirklich toll. Ich liebe es, über solche Märkte zu schlendern (alle zwei Meter: BULA!), jede Menge Kawawurzeln in offenkundig verschiedener Qualität und Darreichungsform, Obst, Gemüse und Gewürze. Besonders drollig fand ich die diversen zahnarmen Alten, die erst Romina (23, hübsch) mit Stielaugen ansahen - dann sahen sie mich, fingen nach einem Moment an zu grinsen und streckten ihre Daumen nach oben. Meine Interpretation dieser sich wiederholenden Szene hat mir Romina natürlich nicht geglaubt... 🙂

Der Markt in Nadi
Der Markt in Nadi

Naja, am Abend nahmen wir spontan an einer Kawazeremonie teil - die gibt es allabendlich im Hostel. Nicht nur für die Tourist(inn)en sondern durchaus auch für Gitarre-klimpernde, singende, Bula-rufende Einheimische (nur Männer). Kawa trinken die Einheimischen ursprünglicherweise zu besonderen Anlässen, aber inzwischen auch häufiger mal weil z.B. gerade Mittwoch ist. Das ganze läuft üblicherweise folgendermaßen ab: Ein großer Bottich mit gemahlener Kawawurzel, aufgeschlämmt mit Wasser ist das Getränk. Man sitzt im Schneidersitz (danke Knie, das war ein unvergessliches Erlebnis!) und ein Fijimann (in den Dörfern üblicherweise der "Häuptling") schöpft mit einer halben Kokusnuss etwas von diesem muddy water (früher wurde dafür auch schon mal ein menschlicher Schädel genutzt...). Wenn man trinken möchte, klatscht man in die Hände, ruft Bula, bekommt die Kokosnuss und muss dann selbige leer trinken, anschließend dreimal klatschen, wieder Bula rufen und sich über die wirklich unbeschreiblich grandiose Geschmacksexplosion in der Mundhöhle erfreuen - mit Worten schwer zu beschreiben... Flüssige Pappe wäre noch ein krasser Euphemismus. Außerdem wird die Zunge ein bisschen taub.
Und das ganze Rumgesitze und -getrinke zieht sich über Stunden hin. Toll. Romina und ich haben aber nicht sonderlich lange durchgehalten... 😉

Am nächsten Tag ging dann die neuntägige Tour auf die Mamanuca- und Yasawa-Inseln los. Diese bestehen aus einer Ansammlung von winzig-kleinen Koralleninseln bis zu mäßig-kleinen Inseln vulkanischen Ursprungs; auf vielen gibt es - wenn überhaupt - nur ein einzelnes mehr oder weniger großes Resort; auf den größeren auch das ein oder andere Fiji-Dorf, wo dann auch einige der Angestellten der Resorts wohnen. Meine Tour umfasste vier Inseln (inkl. jeweils zwei Übernachtungen, Vollpension und diversen Aktivitäten). Romina hatte andere Inseln in ihrer Tour, insofern fuhren wir nur ein Stück auf dem gelben "Yasawa Flyer" zusammen, der die beiden Inselgruppen täglich rauf- und runterschippert. Meiner einer war schon nach einer halben Stunde am (ersten) Ziel: South Sea Island. Im Vergleich dazu war Lady Elliott mit ihren 42 Hektar ein ganzer Kontinent. "SSI" ist, wenn man gemütlich geht, in drei Minuten umrundet. Vielleicht hundert Meter Durchmesser, aber stolze 300 Tagesgäste, die morgens auf die Insel gespuckt werden und abends wieder eingesammelt werden. Außer mir blieben nur noch fünf junge Britinnen und zwei ebenfalls junge Deutschinnen über Nacht. Sprich, ich allein mit sieben jungen Mädels. Alle etwa halb so alt wie ich.
Abends gab es eine Art Candle-Light-Dinner von einem geradezu faszinierend hochkarätig schwulen Fijimann. Ich saß aber mit Zach, dem australischen Dive Instructor, an einem Tisch, der mich - vermutlich aufgrund der Lichtverhältnisse - für 10 Jahre jünger hielt. Seufz 😉

Blick vom Balkon unseres Schlafsaals auf ca. ein Drittel von South Sea Island
Blick vom Balkon unseres Schlafsaals auf ca. ein Drittel von South Sea Island
Singende, tanzende, brüllende Touristenunterhaltung
Singende, tanzende, brüllende Touristenunterhaltung
Endlich sind die Tagesgäste weg und ich bekomme gleich einen Cocktail...
Endlich sind die Tagesgäste weg und ich bekomme gleich einen Cocktail...

Für den nächsten Tag hatte ich einen Voucher für eine Tagestour auf einem Segelschiff (pff, von wegen, es fuhr die ganze Zeit mit Motor) zur Modriki (aka Monuriki)-Insel zum Schnorcheln und anschließendem Dorfbesuch. Modriki ist ein sehr berühmtes Eiland, zumindest seit dem Jahr 2000, als Tom Hanks dort nach einem Flugzeugabsturz gestrandet ist. "Cast away" kommt auf die Liste der Filme, die ich nach meiner Rückkehr anschauen muss... Sie hatten auch noch aus Kokosnüssen ein HELP ME SOS in den Sand gelegt...

Monuriki Island - Drehort von Cast away
Monuriki Island - Drehort von Cast away
Vermutlich nicht mehr der Original-Schriftzug...
Vermutlich nicht mehr der Original-Schriftzug...
So sah das Wasser überall bei den Yasawas und Mamanucas aus...
So sah das Wasser überall bei den Yasawas und Mamanucas aus...
Unser Möchtegern-Segelschiff
Unser Möchtegern-Segelschiff

Der Dorfbesuch auf der Nachbarinsel Yanuya war naja. Völlig überraschend gab es in dem Dorf jede Menge Marktstände mit Klimbim aber auch eine total authentisch wirkende Kawazeremonie, die sich gerade mal über wenige Minuten hinzog, damit das Boot wieder rechtzeitig zurückfahren konnte. Aber da Samstag war (schulfrei), war es durchaus nett, die ganzen neugierigen Kinder zu beobachten, als es immerhin noch einen fünfminütigen Spaziergang durch's Dorf gab. ...hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich solche Touren nicht mag, weil alles beliebig hektisch ist? 😉

Blick ins Fiji-Dorf auf Yanuya
Blick ins Fiji-Dorf auf Yanuya
Die Zahl der Solarzellen nimmt in der letzten Zeit in Fiji wohl deutlich zu
Die Zahl der Solarzellen nimmt in der letzten Zeit in Fiji wohl deutlich zu
Viele Kinder in dem Dorf
Viele Kinder in dem Dorf
Er war besonders neugierig :-)
Er war besonders neugierig 🙂
Abschiedswinken von einem der Dorfbewohner; im Hintergrund Monuriki Island
Abschiedswinken von einem der Dorfbewohner; im Hintergrund Monuriki Island

Außer mir waren von SSI noch zwei der Mädels auf dem Trip, was sich als durchaus nett gestaltete. Da sämtliche Getränke auf dem Boot inklusive waren, führte das natürlich dazu, dass wir die ein oder andere Dose goldenen Gerstensaft auf unser Eiland schmuggelten. Entsprechend lustig war dann der zweite Abend, insbesondere weil zwei der Mädels fürchterlich besagten Zach anhimmelten, er sich aber nicht zum Abendessen blicken ließ - vermutlich weil er halt mal keine Lust auf Angehimmelt-Werden hatte...
Das Niveau der Unterhaltung war dem Bierkonsum angemessen - nicht nur flach, sondern nicht mal ansatzweise vorhanden. Vielleicht sollte es mir zu denken geben, dass ich ausgerechnet dieser Unterhaltung problemlos folgen konnte...

Abschiedsfoto am Morgen: 1x FI, 5x GB, 1x DE
Abschiedsfoto am Morgen: 1x FI, 5x GB, 1x DE
Abschied von South Sea Island
Abschied von South Sea Island

Nächster Stopp für mich war Mantaray Island Resort ungefähr "in der Mitte" der Yasawas. Welch ein Kulturschock! Ein Resort mit ca. 50 Gästen! Was für Menschenmassen auf einmal, die da über Nacht blieben! Immerhin hab ich Laura wieder getroffen, eines der beiden deutschen Mädels, die die erste Nacht auf SSI, aber etwas zeitversetzt zu mir unterwegs war. Auch dort wiederholte sich das Phänomen, dass der zweite Abend deutlich unterhaltsamer war. Nicht zuletzt wegen Laura und einer Runde Bier-Pong mit lauter jungen Brit(inn)en (ich hab natürlich nicht einmal getroffen...). Famos, diese sinnfreien Trinkspiele.

Man weiß ja nie - vorsichtshalber noch mal nen Schild hinstellen, falls jemand ohne Wasser schnorcheln wollte...
Man weiß ja nie - vorsichtshalber noch mal nen Schild hinstellen, falls jemand ohne Wasser schnorcheln wollte...

Tagsüber hatte ich das Glück, wieder mit zwei Mantas schwimmen zu dürfen. War zwar etwas voll im Wasser (ca. 30 Menschen auch vom Nachbarresort alle auf der GoPro-Jagd nach den Mantas). Aber ich hatte ihn tatsächlich einige Momente für mich allein...
Immer wieder beeindruckend, diese eleganten Schwimmer. Vor allem, als er elegant gegen die starke Strömung anflog, die Menschen aber nacheinander mehr oder minder doll japsend aufgeben mussten.
Ansonsten hab ich dort ziemich wenig getan. Bisschen schnorcheln, bisschen in der Sonne liegen, bisschen noch weniger tun und ständig essen... 🙂 Die Schnorcheltrips wurden aber von mal zu mal unangenehmer. Es fühlte sich zunehmend an, als ob man durch Brennnesselsuppe schwimmt. Gefühlte Trilliarden Sea Lice ("Seeläuse") und sonstige kleine Mini-Quallen im Wasser sorgten zunächst für eine gewisse Panik meinerseits (immerhin kann es nur drei Flugstunden entfernt ein ziemlich sicheres Todesurteil sein, mit vielen kleinen Quallen im Wasser zu schwimmen...) - selbige legte sich dann aber, als niemand der anderen Schnorchler panisch wurde. Und offenkundig lebe ich ja auch noch. 🙂

Diese Glibberinvasion führte dazu, dass ich auf der Nachbarinsel im Barefoot Manta Resort noch fauler war. Außerdem war die See ziemlich rau. Sprich, ich hab eigentlich nur im Wasser oder am Strand gelegen und lediglich einen kleinen Spaziergang zur höchsten Stelle der Insel unternommen. Auf dieser Insel war die Altersstruktur deutlich heterogener; mit Rainer, 58 und seiner Freundin Christina, 40, hab ich mich immer sehr nett unterhalten. Eine angenehme Abwechslung zu den Unterhaltungen mit mind. 15 Jahre jüngeren Menschen.

Barefoot Manta, inselseitig...
Barefoot Manta, inselseitig...
... und strandseitig
... und strandseitig
Die Farben des Wassers waren um Dimensionen intensiver; hinten links die Nachbarinsel mit meiner zweiten Station, Mantaray Resort
Die Farben des Wassers waren um Dimensionen intensiver; hinten links die Nachbarinsel mit meiner zweiten Station, Mantaray Resort
Kaum taucht die Sonne ins Meer, fängt das Wasser an zu kochen
Kaum taucht die Sonne ins Meer, fängt das Wasser an zu kochen

Die beiden hab ich sogar nochmal unerwartet wieder getroffen: Bei den Sawa-i-Lau Caves, die ich von meiner letzten Station auf Nacula Island aus besucht hatte. Zwei Höhlen, die unterirdisch mit dem Meer verbunden sind. Neben dem Voucher gab es noch ein Hinweisblatt zum Unterschreiben, dass man bereit ist, auf eigene Gefahr Arme, Beine, Köpfe und/oder Leben zu verlieren, weil die Höhlen unglaublich gefährlich seien. Ich hatte inzwischen rausgefunden, dass man in die zweite Höhle tauchen muss. Optimale Voraussetzung, wenn man von akuter Erstickungsangst geplagt wird. Aber da ich ja nun mal nen Voucher hatte, musste ich da natürlich hin. Seufz, also auch noch Höhlentauchen in Fiji? Aber wer kann das schon von sich behaupten...

Auf dem Weg zuden Caves
Auf dem Weg zu den Caves

Und dann ging's los: Über ein paar Treppen ging es direkt ins Wasser der ersten Höhle. Dort zeigte unser Guide auf die eine Felswand und sagte, dass dies der Eingang zur zweiten Höhle sei. Oha. Nicht gerade ermutigend. Als er dann noch sagte, dass die hintere Höhle stockdunkel sei, wurde es auch nicht besser. Erst als dann noch die Infos kamen, dass auf der anderen Seite ein Fijimann per Kopftätscheln anzeigt, wann man wieder auftauchen kann und man außerdem nur wenige Sekunden tauchen müsse, war unser Grüppchen einigermaßen beruhigt.

Und siehe da: die Taucherei war (natürlich) die Lächerlichkeit in Reinstform, gerade mal drei Sekunden die Luft anhalten. Alles letztlich völlig unaufregend, aber in einer dunklen Höhle (nur der Guide hatte eine Taschenlampe) rumzuschwimmen und über das wirklich überzeugend laute Echo zu staunen (dagegen kommen selbst die besten Bula-Brüller Fijis nicht an) war schon ein ganz putziges Erlebnis. Nach meiner Rückkehr aus der Unter(wasser)welt stand dann da besagtes deutsches Pärchen und freute sich offenbar wirklich mich zu sehen. Ist ja durchaus auch mal nett... 🙂

Der andere Trip (noch ein Gutschein) war Schnorcheln in der Bucht, wo Brooke Shields als Kind strandete und aufwuchs. Naja, nicht wirklich, aber halt in diesem gruselig-kitischig-schlechten Film Die Blaue Lagune, der 1980 auf Turtle Island gedreht wurde. Der Trip war auch nett, jede Menge Fische. Fast alle sogar lebendig. Nur einer lag tot auf nem Bananenblatt im Feuer, den wir dann probieren durften (hatte unser Bootsmann in der Zwischenzeit gespeerharpunfischt). Sehr lecker. Außerdem lagen im Boot noch ein paar offenkundig auch bereits jenseitige Red Snapper, die einige von uns zum Abendessen kredenzt bekam (ich saß leider am falschen Tisch).

Leider hab ich von beiden Trips nicht wirklich Fotos, weil grundsätzlich alles nass wird in den kleinen Tinnies mit denen man zu den Trips geschippert wird und ich immer noch keine GoPro o.ä. besitze.

Laura traf ich hier übrigens auch wieder, genau wie beim Höhlentripp drei der Mädels von SSI, die im Nachbarresort übernachteten. Und überhaupt das ein oder andere Gesicht von vorigen Inseln/Bootsfahrten. Auch hier war der zweite Abend wieder lustiger: Wir haben "Mafia" gespielt, eine Art Rollenspiel, bei dem zwei der Gruppe als Mafiosi die anderen Spieler "umbringen" müssen und die Gruppe rausbekommen muss, wer denn die Mafiosi sind. Das Spiel gewann vor allem durch die spontan generierten und überaus kreativen Geschichten unseres Spielführers (Danny aus, ihr dürft raten, richtig, GB) zu den "Todesfällen". Und die anderen machten sich, nachdem ich einmal erfolgreicher Mafiosi war und das halbe Dorf umgenietet hatte (inklusive dem anderen Mafioso, um meine Tarnung aufrecht zu erhalten), in den nächsten Spielen einen Spaß draus, mich immer zuerst abzumurksen, weil ich ja ach so gefährlich sei und so gut lügen könne... Wir haben wirklich Tränen gelacht über meine grotesken Todesursachen... 🙂

Die Hauptperson im Safe Landing Resort war (und ist) allerdings eine orange-gelb gestreifte Katze mit ausgeprägtem Appetit auf Pancakes und Streicheleinheiten. Als ich mal gemütlich in der Hängematte lag, sprang sie plötzlich auf meinem Bauch und ließ sich ewig Kopf und Kehle streicheln. Beeindruckend, wie sehr Katzen etwas genießen können (und man es ihnen wirklich bilderbuchhaft ansehen kann)! Welch meditativer Moment: Am Strand unter Kokospalmen und blauem Himmel in der Hängematte dösen und zutiefst entspannt eine Katze kraulen und mit ihr den Moment beschnurren.

Kurz vor der Rückfaht gab's schließlich noch eine Massage (Ahh. Nicht aufhören!) bevor es zurück zum "Festland" ging. Das Wetter wurde minütlich schlechter und in Nadi ist es seitdem am regnen.

Einige Übernachtungsgäste ziehen weiter
Einige Übernachtungsgäste ziehen weiter
Mein kleiner Paradieslöwe
Mein kleiner Paradieslöwe
Und immer wieder: Faszinierend klares Wasser - alle Farbnuancen von grün bis blau sind vertreten
Und immer wieder: Faszinierend klares Wasser - alle Farbnuancen von grün bis blau sind vertreten
Mein Hängematten-Meditationspartner beim Chillen in der Nachmittagssonne
Mein Hängematten-Meditationspartner beim Chillen in der Nachmittagssonne
Auf zu unbekannten Ufern
Auf zu unbekannten Ufern
Abendlicher Smiley
Abendlicher Smiley
Ein letzter Blick - unser Gepäck liegt schon im Boot
Ein letzter Blick - unser Gepäck liegt schon im Boot
Unser Schiff in der blauen Lagune, bevor es zurück zum Hafen fuhr
Unser Schiff in der blauen Lagune, bevor es zurück zum Hafen fuhr

Morgen geht's dann noch für vier Tage um die Hauptinsel. Ich bin gespannt, inwieweit ich dort etwas vom "echteren" Fiji sehen werde. Die Resorts hier sind natürlich letztlich beliebig austauschbar (bis auf die ach so fiji-typischen Gesänge beim An- und Ablegen und Abendessen und das ewige Bula-en).
Und mal sehen, wie hektisch diese Tour wird - eigentlich sind die Fijianer ja völlig gemütlich - worüber sie sich übrigens selbst lustig machen: wenn etwas länger dauert als geplant: "it's on fiji time" - ein sehr sympathischer Zug!

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Seufz. Schon wieder sind nen Haufen Tage rum - und das, obwohl ich gefühlt wirklich wenig gemacht habe. Der Nordosten von Queensland hat eine für diese Jahreszeit ungewöhnlich große Regenfront abbekommen, sodass mein Unternehmungsgeist etwas eingeschüchtert war...

Nixdestotrotz war ich also zunächst auf Magnetic Island. Meinen Mietwagen mit dem meisten Gepäck am Fährhafen von Townsville verstaut, ging es für drei Nächte auf die direkt vor Townsville liegende Magnetinsel. Zur Namensherkunft muss mal wieder good ol' Captain Cook herhalten (von http://www.magneticislandtourism.com):

Although Captain Cook never even landed on Magnetic Island while sailing past on June 7th, 1770, it was the famous incident, recorded in his journal, where the ship's magnetic compass ‘would not travis well when near it’ that gave the island its name. He then named it 'Magnetical Island or Headland' as he wasn't even sure if it was an island or a peninsula.

The Aboriginal Traditional Owners, the Wulgurukaba, call Magnetic Island Yunbenun. Wulgurukabu people were ‘canoe’ people who plyed the waters of Cleveland Bay from West Point to Cape Pallarenda.

Die Insel ist - natürlich, was sonst - ein Traum in grün. Überwiegend mit Eukalyptus u.a. bewaldete Hügel (zum Großteil nicht erschlossen) und einige Strände. Auf der Insel leben tatsächlich auch einige Menschen. Vermutlich sind ca. 99% derselben vom Tourísmus gesponsort. Macht ja nix. 🙂 Meine Unterkunft war die Jugendherberge mit angeschlossener Bar (und Backpacker-Bier-Deal, sehr praktisch ;-), Campingplatz und Koala Sanctuary.

Überhaupt steht die Insel völlig im Zeichen der Koalas, beheimatet sie doch eine stabile und umfangreiche Koala-Population. Also auf zum Wanderweg zur Festungsanlage aus dem zweiten Weltkrieg (Australien hat gegen die Japaner hier einen Stützpunkt errichtet, der ziemlich geschickt oben auf einem der Hügel platziert ist). Und ja, tatsächlich. Nachdem man beim Bergauf-Gehen jeden zweiten Wanderer fragt, ob er/sie Koalas gesehen hat, freut man sich natürlich wenn der 17. Befragte tatsächlich mit Yes antwortet. 🙂 Und siehe da, da saß doch tatsächlich am Wegesrand ne Mami mit ihrem Kleinen im Arm und machte - nix. Sie schliefen friedlich trotz der ganzen Touristen, die da im Minutentakt vorbeikamen und knipsten (der Platz der beiden hatte sich inzwischen rumgesprochen). Wirklich niedlich diese Teddybären. 🙂

Abendstimmung an der Horseshoe Bay. Hier könnt ich es aushalten...
Abendstimmung an der Horseshoe Bay. Hier könnt ich es aushalten...
"Feuerleute" abends in der Horseshoe Bay
"Feuerleute" abends in der Horseshoe Bay
Der ganze Wald von Magnetic Island ist bestimmt mit Koalas gepflastert...
Der ganze Wald von Magnetic Island ist bestimmt mit Koalas gepflastert...
Ja Potz Blitz: Meine ersten anderthalb wilden Koalas!
Ja Potz Blitz: Meine ersten anderthalb wilden Koalas!
Baldwin Bay auf Magnetic Island
Die schöne Baldwin Bay auf Magnetic Island

In der Jugendherberge hatte ich in der ersten Nacht ein Dreibettbungalow praktischerweise für mich allein, in der zweiten war noch ein Mädel aus Holland da, mit der es angenehm abwechslungsreich war, sich zu unterhalten... Wie dem auch sei, zusammen mit ihr und einem jungen Deutschen sind wir am nächsten Tag nochmal wandern gegangen, wieder mit Schlafkoalasichtung. Eine wirklich tolle Insel, wenn auch das Wetter zwischenzeitlich ziemlich bescheiden war.

Mein erstes Possum auf dieser Reise (am frühen Abend direkt in der Bar der Jugendherberge)
Mein erstes Possum auf dieser Reise (am frühen Abend direkt in der Bar der Jugendherberge)
Welch Glück :-)
Welch Glück 🙂

Insofern wunderbar eingestimmt auf die nächsten Tage in Cairns. Es regnete ca. sechs Tage durch, die "Fußgängerzone" und die künstliche Lagune am nicht vorhandenen Stadtstrand von Cairns waren außerdem Baustellen. Entsprechend uneinladend fand ich es. Cairns ist eine echt üble Partymetropole. So wie Queenstown in Neuseeland. Lauter 20- bis max. 25-jährige, die zum Skydiven, Bungeejumpen, Saufen und V*geln in den Hostels rumlungern. In Cairns war ich vorbeiziehenderegenfrontabwartenderweise in ganzen drei Hostels, die zunehmend besser wurden: das erste war das größte Partyhostel (war eines der wenigen Hostels, die noch ein Zimmer hatten, ich kam praktischerweise am Samstag in Cairns an), das zweite war ein Tipp von Jan, schon besser, aber mit zwei pseudoschönen Chinesinnen im Zimmer, die das Badezimmer mit allen möglichen Döschen und Tübchen mit Glitzerkram, Cremes und Makeup-Utensilien verstopften, und da außerdem selbiges Bad auch nicht saubergemacht wurde, bin ich also auch dort nach zwei Tagen weg und in ein recht günstiges Einzelzimmer umgezogen. Das ist hinreichend ok. Die Partyhaftigkeit reduziert sich hier auf einige Gäste, die halt abends up'n Swutsch gehen. Lustigerweise lief hier der gleiche House-Pop-Indie-Sampler wie in der Jugendherberge in Noosa. Sehr putzig. Als ob es nur diese 20 Lieder gäbe.

Langsam freue ich mich wieder auf ein Bad ganz für mich allein...
Langsam freue ich mich wieder auf ein Bad ganz für mich allein...
Der stadtbekannte Flying Fox Baum in Cairns - Dran denken: Mund zu beim Nach-oben-Schauen!
Der stadtbekannte Flying Fox Baum in Cairns - Dran denken: Mund zu beim Nach-oben-Schauen!

Wie auch immer. Einen Tag war ich im gießenden Schüttregen in Kuranda. Die Aussicht machte Roy Black alle Ehre und gab sich Ganz in Weiß. Macht nix, war ich halt dort mal die Cafés ausprobieren und im Butterfly-Sanctuary. Das war wirklich nett und angenehm trocken.

Mit der Regenwald-Seilbahn auf dem Weg nach Kuranda
Mit der Regenwald-Seilbahn auf dem Weg nach Kuranda
Ein Cairns Birdwing Männchen an der Futterstelle
Ein Cairns Birdwing Männchen an der Futterstelle
Ein Cairns Birdwing Weibchen
Ein Cairns Birdwing Weibchen
Das obligatorische Foto vom historischen Zug zwischen Cairns und Kuranda
Das obligatorische Foto vom historischen Zug zwischen Cairns und Kuranda

Schlussendlich hat die Regenfront aber eingesehen, dass sie gegen mein stures Abwarten nicht ankam und hat sich klammheimlich feige eines Nachts aus dem Staub gemacht. Einen weiteren kleinen teuren Mietwagen ergatternd (war vermutlich der letzte in ganz Cairns) bin ich dann nach Norden, erst zur Mossman Gorge. Dort gab praktischerweise meine Kamera ihren Geist auf (liegt jetzt mit geöffnetem Auge im Wachkoma und flüstert nur noch ein schwaches "Systemfehler Fokuseinstellung"). Und dann kam natürlich ein kleiner Boyd Forest Dragon des Wegs und beäugte mich scheinbar wohlwissend, dass ich ihm mit meinem Zoom nicht zu Leibe rücken konnte. Wie gemein. Aber knuffig.

Suchbild: Na, wo ist der Boyd's Forest Dragon?
Suchbild: Na, wo ist der Forest Dragon?
Je weiter nördlich, desto Dschungel
Je weiter nördlich, desto Dschungel
Fest gewurzelt in der Erden Steht die Form, aus Holz gewachsen
Fest gewurzelt in der Erden
Steht die Form, aus Holz gewachs'n

Dort oben wird es zunehmend regenwaldlerisch. Mit meiner alten quietschend-ächzenden Hyundai-Karre bin ich über den Daintree River (Fähre); zunehmend viele Schilder warnen in dieser Gegend vor Krokodilen und Kasuaren - und Verhaltensmaßregeln bei Begegnungen mit letzteren (Verhaltensmaßregeln für eine Begegnung mit ersteren erscheint der Tourismusbehörde offenbar als unnötige Mühe, weil eh zu spät...).

Nicht nur Krokodile gibt es hier (wo auch immer...)
Nicht nur Krokodile gibt es hier...
Oha. Vorsicht!
... sondern auch Kasuare laufen wohl gern mal über die Straße
Menno, die Kasuarsichtungen blieben zweidimensional :-(
Och menno, die Kasuarsichtungen blieben zweidimensional 🙁

Natürlich musste ich bis zum (erlaubten) Ende der Straße fahren. Das ist genau einen Meter hinter der Einfahrt zur Jugendherberge von Cape Tribulation - und das erlaubte Ende, weil dort die Straße nicht weiter geteert ist und nur noch mit 4WD befahren werden darf). Insofern war ich also an meinem nördlichsten Punkt meines Australienaufenthalts angelangt. Zugegebenermaßen einer der schönsten: Der wirklich tolle und mit teilweise 100 Mio. Jahren kontinuierlich bestehende Daintree Forest reicht direkt bis zum Strand. Sprich, die Landschaft "reduziert" sich dort auf: Meer (mit den fiesen Quallen - noch mehr Warnschilder und Essigflaschen für die Erstbehandlung), Sandstrand, grünes Dickicht. Und angenehm wenige Menschen. Nur etwa 100km entfernt und welch absurder Gegensatz zu Cairns und Port Douglas!

Fächerpalmen en Masse im 100 Mio. Jahre alten Daintree Forest
Fächerpalmen en masse im 100 Mio. Jahre alten Daintree Forest
Sag ich doch: Dschungel...
Sag ich doch: Dschungel
Da drin steckte wohl mal ein Wirtsbaum...
Da drin steckte wohl mal ein Wirtsbaum
Der Dschungel reicht direkt bis zum Strand. Paradiesisch!
Der Regenwald reicht direkt bis zum Strand. Paradiesisch!
Wirklich: Bis zum Strand. Und nicht viele Menschen. Welch Kontrast zu ca. 100 km weiter südlich, wo die Busse sich auf die Strände entleeren...
Wirklich: Bis zum Strand. Und nicht viele Menschen. Welch Kontrast zu ca. 100 km weiter südlich, wo die Busse sich auf die Strände entleeren

Naja. Kurzum: Hat mir wirklich gut gefallen dort, auch wenn sich die bunten Helmträger nur in Form von Defäkierergebnissen auf den Wegen zeigten. Um aber "wenigstens" zum ersten Mal "echte" Krokodile zu sehen, gönnte ich mir noch eine kurze Croc-Such-Bootsfahrt - wohl wissend (fluchend), dass das wieder auf Suchbilder hinauslaufen wird... Aber es gab sie tatsächlich in den Mangroven am Flussufer. Nicht viele, aber immerhin zweieinhalb (zwei größere und ein kleines). Also wieder nen Haken auf meiner Liste 🙂

... sondern auch Kasuare, die ganz bequem einfach den Boardwalk nutzen - und sei es nur um mal kurz zu zeigen, dass sie hier waren...
Die Kasuare benutzen ganz bequem einfach den Boardwalk - und sei es nur um mal kurz zu zeigen, dass sie hier waren
Noch ein Suchbild: wo liegt das 3-Meter-Croc?
Noch ein Suchbild: wo liegt das 3-Meter-Croc?
Blick auf die Cape Tribulation Beach, etwas links der Bildmitte liegt gut versteckt die Jugendherberge - mitten im Wald und in Form vieler kleiner Bungalows
Abschied von Cape Tribulation: Blick auf den gleichnamigen Strand, etwas links der Bildmitte liegt gut versteckt die Jugendherberge - mitten im Wald und in Form vieler kleiner Bungalows

Nun bin ich nach einem Tag in Palm Cove (gestern abend in einem wirklich fantastischen italienischen Restaurant, das Essen sehr lecker und insbesondere unser Kellner war wirklich eine Institution - mir schien, als ob einige der Gäste nur wegen ihm kamen) wieder in Cairns und es sind meine letzten Stunden in Australien - hoffentlich nur bis zu meinem nächsten Besuch).

In Cairns hatte ich meinen Reiseblues genutzt, den letzten Teil meiner Reise zu planen. Morgen früh geht's tatsächlich nach Fiji. Dort mache ich, sofern die kurzfristige Buchung geklappt hat, eine mehrtägige Fahrt zur Yasawa-Inselgruppe und anschließend noch einmal vier Tage rund um die Hauptinsel - wieder mit einer Tour. Anschließend mit einen kurzen Stopover von zwei Tagen zurück nach Frankfurt (mit Singapore Airlines - yeah!). So langsam nimmt meine Sehnsucht nach meinen Freunden/Familie, Wohnung, Fahrrad, einer sauberen, vernünftig ausgestatteten Küche und deutschem Brot doch wieder spürbar zu. Wohl wissend, dass ich nach spätestens zehn Tagen wieder weg möchte...

Naja, jetzt freue ich mich auf jeden Fall erstmal auf die Fiji-Inseln!

Stay tuned. 🙂

P.S.: Ich muss sagen, ich bin ja ganz schön stolz auf mich, dass ich im selben Blogpost sowohl Schiller als auch Roy Black zitiert habe 😉

Nach dem ich also in hohem Bogen aus dem Paradies geflogen war und es in Agnes Water/1770 irgendwie nicht so überwältigend war wie angenommen, ging es weiter nach Norden bzw. Nordwesten.
Nächste Station war der Eungella Nationalpark - nachdem ich in Tasmanien kein Schnabeltier zu Gesicht bekam, ist das eine der besten Orte mit ziemlich hoher "Trefferquote". Hab es sogar einigermaßen wiedererkannt - und das nach stolzen siebzehn Jahren. Und im Gegensatz zu damals hab ich es dieses Mal nicht geschafft, den Autoschlüssel im Kofferraum einzuschließen. 😉
Quasi unmittelbar waren (wieder) die Schildkröten zu sehen, die da in Seelenruhe durch's Wasser des Broken River cruisen. Und nach kurzer Zeit kam auch ein unerschrockenes Schnabeltier vorbeigeschwommen. Unerschrocken deshalb, weil es gefühlt von Familien mit schwer erziehbaren Kindern wimmelte - kam mir sicher nur so vor, aber nachdem es wirklich überall steht, dass man Geduld haben und vor allem ruhig sein soll, war es etwas anstrengend überall rumzappelnde und schreiende Kinder um sich zu haben. Naja, vielleicht war ich auch gerade nur etwas empfindlich... 😉
Wie dem auch sei - es war auf jeden Fall schön, mal wieder was anderes als Küste und Strand zu sehen und nicht zu letzt wieder ein Check auf meiner Animals to spot - Liste 🙂

Kurze Unterbrechung auf dem Highway - ganz Nordostqueensland ist mit Zuckerrohrfeldern gepflastert
Kurze Unterbrechung auf dem Highway - ganz Nordostqueensland ist mit Zuckerrohrfeldern gepflastert
Blick von Eungella ins Pioneer Valley
Blick von Eungella ins Pioneer Valley
Schildkröten sieht man deutlich häufiger als Schnabeltiere - das war vor 17 Jahren auch schon so...
Schildkröten sieht man deutlich häufiger als Schnabeltiere - das war vor 17 Jahren auch schon so
Wenigstens ein Platypus gab sich die Ehre...
Wenigstens ein Platypus gab sich die Ehre...

Als größere Station einige Autostunden nach Norden kam das "Queenstown von Queensland", sprich Airlie Beach mit dem Hauptzugangspunkt zu den 74 Whitsunday Islands. Bekannt als Partyhochburg mit jeder Menge junger Leute, die reihenweise aus Flugzeugen fallen war ich mir nicht so sicher, ob ich diesem allgegenwärtigen Adrenalin gewachsen sein würde. Drum ergab es sich - mal wieder ultraspontan - dass ich den letzten Platz für eine Übernachtung weit draußen am Hardy Reef ergatterte. Dabei handelt es sich um einen fest verankerten Ponton, der täglich von einem Schiff mit Tagesgästen zum Schnorcheln, Tauchen, Mittagessen und Faulenzen angefahren wird. Wenn die Gäste um 15 Uhr verschwinden, können max. neun Personen auf dem Ponton in Zelten oder einem kleinen Doppelzimmer übernachten und fröhlich weiter in unendlicher Friedlichkeit schnorcheln - bis am nächsten Tag um 11 Uhr die nächste Horde von Tagesgästen einfällt.
Und was soll ich sagen. Die Möglichkeit zu maximal neunt am Outer Reef zu schnorcheln mit wirklichen MASSEN an Fischschwärmen und herrlich gesunden Korallenbänken ist, nun ja, ziemlich beeindruckend. Und auch hier war es wieder äußerst bequem. Nach dem Schnorcheln gabs ein leckeres BBQ-Dinner. Was sich allerdings etwas gespenstisch gestaltete, da - natürlich - nicht nur der hungrige Homo Sapiens der Verköstigung entgegenfieberte sondern auch der ein oder andere geflügelte Zweibeiner. Sprich, die Kamikaze-Flieger von Lady Elliott Island versammelten sich Punkt 18 Uhr auf der Reling & Co. und warteten - laut schnatternd vor freudiger Erwartung - gemeinsam mit uns Schnorchelgesellen auf's Abendessen.

Das Hardy Reef - irgendwo hinten rechts ist das bekannte Heart Reef (Riff in Herzform)
Das Hardy Reef - irgendwo hinten rechts ist das bekannte Heart Reef (Riff in Herzform)
Die Tagesgäste verlassen den Pontoon...
Die Tagesgäste verlassen den Pontoon...
Warten aufs BBQ Dinner, Menschen und White-capped Noddies unterscheiden sich nicht wirklich...
Warten aufs BBQ Dinner, Menschen und White-capped Noddies unterscheiden sich nicht wirklich...

Und während des Essens ging es los. Die White-Capped Noddies hatten es aber gar nicht so sehr auf unsere Teller abgesehen, sondern waren offenkundig durch das Scheinwerferlicht völlig irritiert, sodass sie ganz Kamikaze-Berserkermäßig unter das Dach flogen, gegen die Wände prallten (aber ohne ernsthafte Verletzungen), ihren Mageninhalt hervorwürgten und wirklich dicht über unseren Köpfen entlangflogen. Unter den Gästen war eine Mutter mit ihrer 22-jährigen Tochter und diese Arme war völlig fertig mit den Nerven - sie hatte schon früher mit attackierenden Vögeln zu kämpfen.

Naja, aber auch unter den ungeflügelten Zweibeinern gab es keine ernsthaft Verletzten, sodass wir dann in unsere Swags kletterten - geräumige Zelte mit Matratze. Durchaus gemütlich und deutlich wärmer als erwartet. Leider waren etliche Schäfchenwolken am Himmel unterwegs, weshalb die Milchstraße sich etwas bedeckt hielt. Aber im Laufe der Nacht zogen die Wolken davon, sodass man später nachts doch noch einen schönen Blick auf sie bekam.

Am nächsten Morgen war die See völlig platt, kein Wind mehr; und ein Crewmember hatte uns erzählt, dass morgens das Schnorcheln am schönsten sei, weil dann die Flut reinkomme und die Sicht besser würde. In Kombination mit besagter Quasi-Wellenfreiheit war das Schnorcheln wirklich grandios.

Sonnenaufgang über dem Hardy Reef
Sonnenaufgang über dem Hardy Reef
Welch ein Traum: Sonnenschein, die See ist bretteben, die Tagesgäste sind noch nicht da und das Riff gehört uns
Welch ein Traum: Sonnenschein, die See ist bretteben, die Tagesgäste sind noch nicht da und das Riff gehört uns
Das Beweisfoto - ich war wirklich schnorcheln :-)
Das Beweisfoto - ich war wirklich schnorcheln 🙂

Jede Menge Fische und plötzlich ein ziemlich fetter Maori Wrasse, auch bekannt als Napoleonfisch. Musste an Dich und das Foto von Dir denken, Schwesterherz! Ganz so riesig war er zwar nicht, aber ich war trotzdem beeindruckt. Er hingegen war offenbar auf die GoPro neugierig, die ich mir im Hostel ausgeliehen hatte (funktionierte leider nicht zuverlässig - die paar Videos, die sie aufgenommen hat, muss ich erst noch zusammenschneiden - sonst wird der geneigte Betrachter seekrank). Er schielte zumindest wie ein Weltmeister immer auf das Ding in meiner Hand. Naja, so schwammen wir ein bisschen umeinander rum bis er langsam aus meinem Sichtfeld schwamm.
Als ich mich nach ihm umsah entdeckte ich ihn erstmal nicht. Bis ich dann nach unten schaute - und spontan einen Herzinfarkt bekam. Er hatte sich bis auf ca. 20cm an mich herangepirscht, stand unter mir senkrecht im Wasser und starrte mich eindringlich mit seinen Glupschern an. Was für eine bizarre Situation. Dieser Fisch hatte sich wirklich einen Spaß mit mir gemacht. Schade, dass Fische keine rechte Mimik haben, er wär sonst bestimmt in schallendes Gelächter ausgebrochen, als er meine weit aufgerissenen Augen sah... 🙂
Ein faszinierendes Erlebnis, das ich sicher nicht so schnell vergesse. Als dann das Schiff wieder anlegte mit noch mehr Tagesgästen (es war Sonntag), war es natürlich mit der Ruhe vorbei. Aber alles in allem ein fantastischer Schnorcheltrip.

Blick zurück auf den Pontoon "Reefworld"
Blick zurück auf den Pontoon "Reefworld"

Nach einem Tag Entspannung am Strand bzw. der garantiert stinger-freien Lagune in Airlie Beach gönnte ich mir tags darauf noch einen Tagestrip zum berühmten Whitehaven Beach, einem der weißesten Strände der Welt (reiner Quarzsand wie am Lake McKenzie auf Fraser Island) - wieder in Kombination mit einem kurzen Schnorchelgang. Letzterer war insofern wieder besonders, als hier die Korallen wirklich kunterbunt waren und mehr Weichkorallen zu sehen waren (also etwas mehr "Action") - allerdings war etliches vom Riff offenkundig nicht mehr wirklich intakt. Die (indirekten und direkten) Spuren des Homo Sapiens sind nicht zu leugnen...

Es ist nicht gerade einsam vor Airlie Beach...
Es ist nicht gerade einsam vor Airlie Beach...
Ein Buckelwal zwischen Hook Island und Whitsunday Island
Ein Buckelwal zwischen Hook Island und Whitsunday Island

Whitehaven Beach ist ein wirklich malerischer Strand - wenn auch für meinen Geschmack zu voll - wirklich JEDE Tour in den Whitsunday Islands legt da an (und es gibt wirklich viele Touren, vor allem Segeltörns). Außerdem wurde mir mal wieder bewusst, dass ich kein Freund von solchen Touren bin; der Kontrast zum selbstbestimmten Reisen ist wirklich enorm. Man hetzt (bzw. wird gehetzt) von Strand zu Mittagessen zu Lookout und zurück zum Boot. Naja, nicht wirklich überraschend. Nixdestotrotzquam war auch das ein schöner Ausflug...

Volle Kanne Tagestouristen am Whitehaven Beach auf Whitsunday Island - aber bis auf die (meisten) Zweibeiner ist der Strand wirklich schön
Volle Kanne Tagestouristen am Whitehaven Beach auf Whitsunday Island - aber bis auf die (meisten) Zweibeiner ist der Strand wirklich schön
Die Goannas wissen genau, dass es um 12 Uhr Mittagessen gibt...
Die Goannas wissen genau, dass es um 12 Uhr Mittagessen gibt...
Sie sind ja doch irgendwie auch niedlich
Sie sind ja doch irgendwie auch niedlich
Das flache Wasser hat durch den Quarzsand eine wirklich paradiesische Farbe (die blassen Punkte vorne links im Wasser sind Stachelrochen)
Das flache Wasser hat durch den Quarzsand eine wirklich paradiesische Farbe (die blassen Punkte vorne links im Wasser sind Stachelrochen)
Blick vom Hill Inlet auf den Whitehaven Beach (rechts hinten)
Blick vom Hill Inlet auf den Whitehaven Beach (rechts hinten)
Stachelrochen im Wasser am Hill Inlet
Stachelrochen im Wasser am Hill Inlet
Blasskopfrosella  in Airlie Beach
Blasskopfrosella in Airlie Beach
Ein Quasi-Haustier-Kakadu im Hostel in Airlie Beach
Ein Quasi-Haustier-Kakadu im Hostel in Airlie Beach

Nach insgesamt also einigen Tagen/Nächten in Airlie Beach und den Whitsundays hab ich mich weiter nach Norden aufgemacht. Nachdem mir ein Backpacker in Alice Springs nicht nur Lady Elliott Island empfohlen hatte, sondern auch Magnetic Island bei Townsville, bin ich also zur Zeit dort. Aber mehr dazu im nächsten Post.

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Der Freitag begann deutlich besser, als der Donnerstag aufgehört hatte: Strahlender Sonnenschein, draußen war es schon morgens um halb acht angenehm warm. Und nicht zuletzt hab ich in einem breiten Bett allein im Zimmer deutlich besser geschlafen als in den 4- bis 8-Bett-Zimmern der Hostels der vergangenen Wochen.

Beim Frühstücksbuffet gab es endlich mal mehr als nur labbrigen Toast (der Resort-Manager Andreas, den ich Donnerstag Abend kurz kennengelernt hatte, wies nicht ohne Stolz darauf hin, dass es guten deutschen Speck gebe, nicht australischen 😉 ). Beim Joghurt mit frischem Obst und frischer Maracuja-Soße schaute ich gelegentlich aus dem Fenster auf das Meer jenseits der Lagune. Und da: Pust, ne Blasfontäne von nem Buckelwal. Intelligenterweise hatte ich natürlich meine Kamera nicht dabei. Also zurück ins Zimmer und direkt an den Strand (Frühstück wurde unterbrochen - der Vorteil, wenn für alle Gäste Halbpension inklusive ist: man kann beliebig die Mahlzeit unterbrechen und später fortsetzen). Und da kamen mindestens vier Buckelwale vorbeigezogen: der Partyhengst vorneweg, dahinter zwei eher introvertierte und zum Schluss der extrovertierte. Während die beiden introvertierten nur mal auftauchten, bliesen und wieder abtauchten, war der extrovertierte Wal damit beschäftigt, der Welt zu zeigen, wie doll er seine Fluke auf's Wasser schlagen kann. Der Partyhengst vorneweg vollführte perfektes Breaching: Aus dem Wasser springen, drehen und wieder aufs Wasser fallen. Da sag noch einer, Wale seien langweilig.

Und das alles direkt vor der Restaurant-Terrasse. Meine amateurhaften Videos davon hab ich auf Youtube hochgeladen:

Welch ein Auftakt...

Nach dem Frühstück gings zu einem kurzen geführten Reef Walk durch die Lagune. Dort war Megan, die unsere kleine Gruppe führte, ziemlich aus dem Häuschen, als sie von einem Oktopus mit Identitätskrise angespuckt wurde. Er war offenbar der Meinung, er sei ebenfalls ein Buckelwal und müsste mit Wasser um sich spritzen. Sehr putzig - und im Gegensatz zu Chamäleons können diese Viecher echt schnell ihre Farbe ändern.
Das faszinierendste fand ich ja, wie sie mit sicherem Blick alles mögliche Viechzeug in und unter den Korallen sah, neben zwei Oktopussen u.a. auch noch einen gelb-schwarz-gestreiften Weihnachtsbaumwurm und andere Viecher, deren Namen ich schon wieder vergessen habe.

Nachdem sich der Tag so sonnig zeigte, bin ich wieder zum Leuchtturm und ins Wasser. Selbiges war praktisch bretteben und die recht starke Strömung vom Vortag war auch nicht mehr da. Sprich: Man konnte sich einfach auf die Wasseroberfläche legen (dem Neoprenanzug sei Dank) und sich in Ruhe umschauen. Keine Ahnung, was in der Nacht mit mir passiert war, aber das Schnorcheln am Freitag war völlig entspannt - und von meiner Erstickungsangst war auch (fast) nichts mehr zu spüren. Wirklich grandios.

Es gab extrem viele bunte Fische - auch in größeren Schwärmen von bis zu etwa 250 (hab die Anzahl abgeschätzt wie beim Vögel zählen, wie es mir Lel beigebracht hat), etliche Schildkröten, neben denen ich direkt herschwimmen konnte - und, ja, mein erster Mantarochen huschte an meinem Blickfeld vorbei. Nicht in voller Schönheit, aber immerhin eindeutig. Im Laufe der Zeit kamen immer wieder Fischschwärme vorbei von klein bis groß, von grau bis kunterbunt. Neue Erkenntnis: Durch einen Fischschwarm zu schwimmen ist in etwa so, wie in Indonesien über die Straße zu gehen - nur das es dort die Mofafahrer sind, die sich elegant um einen drumrum schlängeln. Sehr spaßig 🙂

Als ich etwas weiter rausschwamm - ich wollte noch mal nen Manta sehen - sah ich plötzlich einen Delfin, der an mir vorbeischwamm. Hä? Ich hatte gehört, dass man ab und zu - aber ziemlich selten - beim Schnorcheln vor LEI Delfine sehen könne. Na, wie sich dann abends herausstellte, war der Delfin Inselgesprächsthema Nr. 1 - und ich konnte mitreden. Yeah 🙂

Und kaum war der Delfin verschwunden, tauchte erneut ein Manta auf. Elegant einmal von rechts nach links gemächlich an mir elegant vorbei gesegelt, vielleicht drei Meter entfernt. Die Dinger sind wirklich GROSS! Damit war meine Things-to-see-Wishlist abgearbeitet - bis auf die Reef Sharks. Die zeigten sich mir unter Wasser leider nicht (erst am Samstag schwammen zwei unter dem Glasbodenboot durch). Aber Abends beim Sonnenuntergang schwammen sie, genauso exhibitionistisch wie der Manta beim Schnorcheln direkt am Strand entlang. Und zwar wirklich direkt, keinen Meter vom Sand entfernt.

Und abends konnte man sich entspannt den Bauch vollschlagen am köstlichen Buffet. Geradezu paradiesisch. Ja, es war wirklich ein perfekter Tag, der zu keiner Sekunde hätte besser sein können. Was für ein Geschenk!

Meine Begeisterung für's Schnorcheln jedenfalls wurde voll entfacht! Alles gesehen, was ich wollte - und noch so viel mehr.

Über Nacht war es recht windig geworden, weshalb die See am Samstag ziemlich ruppig war. Der Ausflug mit dem glass bottom boat war entsprechend schwungvoll. Das Schnorcheln war hingegen deutlich magenfreundlicher - gerade mit dem wet suit konnte man sich einfach an die Wasseroberfläche hängen und sich von den Wellen schaukeln lassen, während man Schildi und Co. mit Blicken und Flossen folgte.

Der Einstieg ins Meer vom Strand aus war aufgrund des Seegangs und der dortigen Strömung tatsächlich gesperrt, sodass ich also zum in der Sonne liegen verdammt war (na gut, und zum Mittagessen). Auch nicht schlecht. 🙂

Als Abschiedsgeschenk gab sich nochmals ein Buckelwal die Ehre mit einer springenden 360°-Drehung, während ich in der Sonne lag.

Nachmittags um vier musste ich mich dann schweren Herzens aus dem Paradies verabschieden. Dabei hatte ich weder nen Apfel gegessen, noch ne Frau bei mir, die das getan hatte. Irgendwie ungerecht, finde ich.

Ein letzter Blick zurück ins Paradies
Ein letzter Blick zurück ins Paradies

Kurzum: Die Entscheidung, einen Haufen Geld für die gut zwei Tage auf Lady Elliott Island auszugeben, war die beste, die ich jemals getroffen habe. Trotz des anfänglichen "Zögerns" habe ich jede Sekunde (und jeden Cent) genossen. Vor allem der Freitag war mit seinem windstillen und wellenlosen Meer einer der besten Tage meines Lebens.
Das wird mir insbesondere bewusst, wo ich heute wieder am Festland Richtung Norden unterwegs bin (gerade in Agnes Water, ein paar Kilometer von der Stelle, wo James Cook 1770 vor Anker ging - passenderweise heißt der Ort dort schlicht 1770). Auch das Festland ist natürlich toll, aber die Abgeschiedenheit und Winzigkeit von LEI sowie die Fokussierung dort auf's Schnorcheln führt irgendwie dazu, dass die Menschen dort NOCH entspannter sind als am Festland und in den Hostels.

Naja, wie dem auch sei. In den nächsten Tagen werde ich weiter Richtung Norden fahren. Mal sehen, wo es mich hin verschlägt...

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Mit der Größe von etwa dem Berliner Alexanderplatz ist Lady Elliott Island die südlichste und eine von wenigen bewohnten reinen Korallen-Inseln des Great Barrier Reefs. Trotz Winter und der Südlichkeit ist das Wasser in dieser Jahreszeit mit 22-25°C angenehm warm und die Sichtweite beträgt stets zwischen 15 und 30 Metern - da die Insel hinreichend weit weg von Flußmündungen, Düngereinleitungen u.ä. ist, ist das Riff hier völlig intakt. Stingerquallen gibt es soweit ab vom Festland nicht, und die Haie in der Gegend sind nur harmlose Riffhaie. Also schon mal recht paradiesische Parameter...

Auf "LEI" gibt es ein angenehmes und tiefenentspanntes Eco Resort, das auch die Flüge organisiert - ganz bequem sowohl für die Insellogistik als auch für die Gäste - alles aus einer Hand. Auf dem Eiland dürfen sich gleichzeitig max. 150 Gäste aufhalten - dadurch wird es nie überlaufen und die Schlangen am Essensbuffet bleiben erstaunlich kurz... 😉

Der Aufenthalt geht schon lustig los. In einem (max.) 12-Sitzer fliegt man von Hervey Bay (so wie meiner einer), Bundaberg oder der Gold Coast in 30-50 Minuten auf die Insel. Ggf. fliegen auch mehrere Flugzeuge parallel; größere können schlichtweg nicht landen. Die Landebahn ist nämlich nur ein Streifen holprige Wiese, der von Nord nach Süd einmal über die komplette Insel reicht (ca. 600m lang).

Mein Flieger nach Lady Elliott Island
Mein Flieger nach Lady Elliott Island
Flussmündung zwischen Hervey Bay und Bundaberg
Flussmündung zwischen Hervey Bay und Bundaberg
Blick auf Lady Elliott Island von Westen: hinten rechts das Resort, vorne rechts der Leuchtturm, daneben einige Unterkünfte der Resort-Mitarbeiter
Blick auf Lady Elliott Island von Westen: hinten rechts das Resort, vorne rechts der Leuchtturm, daneben einige Unterkünfte der Resort-Mitarbeiter
Blick von Süden: Die Landebahn ist nicht zu übersehen :-)
Blick von Süden: Die Landebahn ist nicht zu übersehen 🙂

Nach der Ankunft wird man in einer kurzen Orientierungstour "eingewiesen", bevor man sich seine Schnorchelsachen vom ans Resort angegliederten Dive Shop besorgt (neben der Halbpension im Preis inbegriffenen). Und dann kann man schnorcheln, bis der Arzt kommt (bzw. der Royal Flying Doctor Service einfliegt), eine von verschiedenen angebotenen Kurztouren des Resorts mitmachen oder einfach nur in der Sonne liegen.

Letzteres klappte aber am ersten Tag nur bedingt, da es ziemlich bewölkt und nieselig war (aber warm). Aber beim Schnorcheln ist man eh nass, da macht das auch nichts.

Östlich der Insel befindet sich eine Lagune, die durch ein vorgelagertes Riff quasi wellenfrei ist und sich damit für Schnorchelanfänger eignet, während auf der Westküste die eigentlichen Schnorchel-Spots befinden (die Tauchspots sind rings um die Insel verteilt).
Mein erster Schnorchelausflug gestaltete sich ziemlich wenig prickelnd. Starker Seegang, zu große Flossen, die mir halb von den Füßen rutschten, und meine übliche Unterwasserpanik ließen mich nur kurz im Wasser bleiben (da die Lagune wegen Ebbe nicht beschnorchelbar war, musste ich halt direkt im Westen ins Wasser - durchaus lustig mit Schnorchelequipment über das Rollfeld eines "Flughafens" zu laufen).

Aber nachmittags wurde nicht nur das Wetter besser, sondern auch die Flut kam, sodass ich im "Babypool" mich wieder ans Schnorcheln gewöhnen konnte - inzwischen auch mit kleineren Flossen, die mir zwar zu klein waren, aber Flossen für meine komische Fußgröße gibt es offenbar nicht - das war vor 17 Jahren auch schon so ;-). Außerdem hatte ich mir noch einen Wetsuit (Neoprenanzug) im Dive Shop besorgt, der einen nicht nur wärmt sondern auch einen gewissen Auftrieb besorgt.

In der Lagune war es richtig schön - keine Wellen, viele Fische und meine erste erschnorchelte Schildkröte. Schildkröten gibt es relativ viele, die Anfang des Jahres am Strand brüten, den Rest des Jahres aber auch um Lady Elliott verbringen. Das sind ziemlich grazile Wesen im Wasser - ganz im Gegensatz zu mir... 😉
Um LEI herum gibt es überwiegend Steinkorallen, die sich nicht als "wogende Masse" zeigen. Trotzdem war die Aussicht wirklich abwechslungsreich. Bei Ebbe liegen diese Korallen übrigens teilweise über Wasser; mit einer Art Sonnenmilch, die die Korallen absondern, schützen sie sich gegen das Austrocknen und die Sonnenstrahlen.

Leider hält die wasserdichte Tasche für mein Smartphone doch nicht - weder was sie verspricht, noch das Wasser ab - darum gibt es leider keine Unterwasserfotos (und das bisschen, was ich gefilmt habe, muss ich erst noch sichten). Ich brauche doch irgendwann nochmal eine GoPro, viele der anderen Gäste hatten eine und haben z.T. auch wirklich schöne Filmaufnahmen gemacht...

Am Nachmittag wurde es zunehmend laut (in meinem Zimmer gab es Ohrstöpsel gegen die "Bird Season"...). Und zwar kehrten etliche wunderschöne White-Capped Noddies (Anous minutus) auf die Insel zum Schlafen zurück. Ich hätte als Namen Hitchcock's Kamikaze-Flieger treffender gefunden - aber sei's drum. Wenn man den Blick nach unten richtet, kommt man ganz entspannt voran, während Zig dieser Vögel um einen rumkreis(ch)en... 🙂

White-Capped Noodies
White-Capped Noodies
Auch mal die Nachmittagssonne genießen...
Auch mal die Nachmittagssonne genießen...

LEI ist überhaupt ein wichtiger Brutplatz für Vögel im Great Barrier Reef: Einige Lesser Frigate Birds (Arielfregattvogel; Fregata ariel) sah man am Himmel, genauso wie Bridled Terns (Zügelseeschwalben; Onychoprion anaethetus) und etliche auf dem Boden rumlaufende Buff Banded Rails (Bindenralle; Gallirallus philippensis) - auf der Suche nach Krümeln im Restaurant oder auf dessen Terrasse. Auf Lady Elliott brüten seit Anfang der 80er Jahre auch einige wenige Red-tailed tropic birds (Rotschwanztropikvögel; Phaethon rubricauda) zwischen Februar und Mai - im Gebüsch in unmittelbarer Nachbarschaft von Zimmern des Resorts. Netterweise gab sich auch jetzt noch einer die Ehre im Gebüsch zu hocken 🙂

Lesser Frigate Bird
Lesser Frigate Bird
Buff Banded Rail
Buff Banded Rail
Red-Tailed Tropic Bird
Red-Tailed Tropic Bird

Einem schönen Regenbogen und leckerem Abendessen folgte ein herrlicher Sonnenuntergang. Nun ja, der erste Tag war schön, aber so das ultimative Paradiesfeeling hatte sich noch nicht eingestellt.
Wie es weiter geht, und ob ich noch das wahre Paradies auf Lady Elliott Island gefunden habe, lest Ihr im nächsten Post (ha, was ein Cliffhanger 😉 ).

Regenbogen über der Lagune - direkt vor der Terasse des Restaurants
Regenbogen über der Lagune - direkt vor der Terasse des Restaurants
Abendstimmung
Abendstimmung
Sonnenuntergang an der Westküste
Sonnenuntergang an der Westküste

Auch wenn es an der Ostküste deutlich voller ist (vorbei sind die Zeiten, wo ich ein 8-Bett-Schlafraum für mich allein hatte), gibt es doch erstaunlich viel Viechzeug, dass hier rumkräucht, -fleucht, -schwimmt.

Nach zwei Tagen in Brisbane (davon anderthalb völlig verregnet) wo ich voller Begeisterung gesehen habe, dass die Australier deutsche Umlaute richtig schreiben können (Glühwein, Nürnberger Bratwurst) - es war gerade Winterfestival mit kleinem Schneeballschlachtfeld und kleiner Eislauffäche - bin ich mit einem Schlenker über die Glasshouse Mountains nach Noosa gefahren.

Blick auf die Glasshouse Mountains vom Mt. Beerburum
Blick auf die Glasshouse Mountains vom Mt. Beerburum
Glasshouse Mountains vom gleichnamigen Lookout gesehen
Glasshouse Mountains vom gleichnamigen Lookout gesehen

Dort war ich einige Tage (länger als geplant), das YHA dort war durchaus lustig und hatte eine nette Mischung von Party-People und "stilleren" Travellern. Der Noosa Nationalpark ist klein, aber nett. Auf einer Runde oben über die Klippen an der Nordostspitze gabs tatsächlich eine Schildkröte, die unten im Wasser vor sich hinpaddelte. Ich war mit einem Franzosen aus meinem Zimmer dort unterwegs und dank seiner Adleraugen entdeckte er eine Gruppe Delfine vor der Küste.

Küste des Noosa Nationalparks
Küste des Noosa Nationalparks
Defline vor Alexandria Bay (Noosa Nationalpark)
Defline vor Alexandria Bay (Noosa Nationalpark)
Abendstimmung in Noosa Heads
Abendstimmung in Noosa Heads

Davon abgesehen war ich höchst beleidigt, dass offenbar alle Welt "den" Koala gesehen hatte, der im Nationalpark direkt neben dem Weg in einem Baum saß, nur ich nicht. Vermutlich war er an genau dem Tag, an dem Yann und ich dort waren irgendwo anders. Naja, eine Koala-Sichtung kommt hoffentlich noch...

Bei Noosa gibt es wie in Florida die Everglades - selbige kann man wunderbar auf einer Kanutour erfahren. Völlig still bis auf einige Vögel. Ein Goanna saß auf einem der Campingplätze, wo wir unser Grilllunch genossen. Das Kanufahren selbst waren läppische 5km (sogar flussabwärts), der Rest des Tages war eine Bootstour. Sehr nett, aber der Guide hatte einen wirklich fiesen Akzent... Auf der Rückfahrt machten die Brexit-News die Runde und ein junges Mädel von den Shetland-Inseln war ziemlich schockiert. Naja, man wird sehen, wie das weitergeht.

Die Noosa Everglades - stilles Wasser, laute Piepmätze
Die Noosa Everglades - stilles Wasser, laute Piepmätze
Die Noosa Everglades am gleichnamigen Fluss
Die Noosa Everglades am gleichnamigen Fluss
Ein Schlangenhalsvogel beim Trocknen
Ein Schlangenhalsvogel beim Trocknen
Kanufahren auf dem Noosa River
Kanufahren auf dem Noosa River
Der erste Goanna dieser Reise auf dem Picknickplatz am Noosa River
Der erste Goanna dieser Reise auf dem Picknickplatz am Noosa River
P1110503
Er sieht genauso aus wie der auf Hook Island vor siebzehn Jahren... 🙂

Schlussendlich hab ich mich von Noosa losgerissen und bin weiter nach Norden nach Hervey Bay. Von dort gab es einen Tagesausflug nach Fraser Island, der weltgrößten Sandinsel (welch Paradies für Sandsammler 😉 ). Von den dort lebenden reinrassigsten Dingos bekamen wir aber keinen zu Gesicht (kein Wunder: es gibt ca. 200 Dingos auf der Insel, die ca. 120 x 15 km groß ist). Dafür aber Riesenfarne, lustig hoppelige Sandpisten (die Insel ist nur mit 4WD befahrbar), einen herrlichen Süßwassersee mitsamt Quarzsand-Strand und Bad in ersterem, einen kurzen Rundflug über die Insel (kein Heli aber trotzdem toll, dieser Überblick) und - yeah, meine ersten beiden Buckelwale, die tiefenentspannt recht nah an der Ostküste entlangschwommen. Eigentlich noch etwas früh, die Wale ziehen üblicherweise erst ab Juli an der Küste vorbei. Welch Glück, sie mit ihren Flossen winken zu sehen. Viel spannender als das vor sich hinrostende 80 Jahre alte Schiffswrack am Strand. 😉

Ein Weißbauchseeadler wird durch die näherkommende Fähre gestört
Ein Weißbauchseeadler wird durch die näherkommende Fähre gestört
Mangroven auf der Westseite von Fraser Island
Mangroven auf der Westseite von Fraser Island
Ganz schön holprige Sandpisten auf Fraser Island - ohne 4WD geht hier nix
Ganz schön holprige Sandpisten auf Fraser Island - ohne 4WD geht hier nix
Der paradiesisch anmutende (Süßwasser-)See Lake McKenzie mit herrlich feinem reinem Quarzsand
Der paradiesisch anmutende (Süßwasser-)See Lake McKenzie mit herrlich feinem reinem Quarzsand
Riesenfarn inmitten des subtropischen Regenwalds im Zentrum von Fraser Island
Riesenfarn inmitten des subtropischen Regenwalds im Zentrum von Fraser Island
P1110962
Die 75 Mile Beach ist Hauptverkehrsachse und Angelparadies der Insel
The Pinnacles (Colored Sands)
The Pinnacles (Colored Sands)
Das Moheno Schiffswrack, das im Juli 1935 aufgelaufen ist, nachdem es durch einen Zyklon vom Schlepper abgerissen wurde
Das Moheno Schiffswrack, das im Juli 1935 aufgelaufen ist, nachdem es durch einen Zyklon vom Schlepper abgerissen wurde
Kontrollierter und absichtlicher Waldbrand, um das Unterholz zu entfernen (die Bäume überleben das)
Kontrollierter und absichtlicher Waldbrand, um das Unterholz zu entfernen (die Bäume überleben das)
Fraser Island mit einigen Sanddünen und einem See in Schmetterlingsform
Fraser Island mit einigen Sanddünen und einem See in Schmetterlingsform
Meine ersten Buckelwale :-)
Meine ersten Buckelwale 🙂
Der 75 Mile Beach "Highway" - und zwei Buckelwale :-)
Der 75 Mile Beach "Highway" - und zwei Buckelwale 🙂
Schöner Sonnenuntergang auf der Rückfahrt
Schöner Sonnenuntergang auf der Rückfahrt

Eigentlich wollte ich dann weiter nach Norden, wollte aber unbedingt noch Lady Elliott Island einen Besuch abstatten. Gar nicht so einfach - das ist eine winzige Koralleninsel im Outer Reef, die nur per Flugzeug erreichbar ist. Übernachtet werden muss im einzigen Resort auf der Insel und es sind maximal 150 Gäste auf der Insel erlaubt. Von "LEI" hatte mir insbesondere ein Backpacker in Alice Springs erzählt, dass das Schnorcheln respektive Tauchen mit den dort lebenden Mantarochen wirklich sehr beeindruckend sei. Naja, gesagt, getan. Mit Abstand die teuerste Unterkunft meines Lebens... Und weil alle Betten belegt waren, musste ich noch ein paar Tage warten - morgen früh fliege ich hin für zwei Nächte.

Entsprechend hatte ich noch ein paar Tage in Hervey Bay "nix zu tun" (ganz im Gegensatz zu sonst... 😉 ). Gestern ging's zum Burrum Coast Nationalpark mit jeder Menge Mangroven, endlich mal wieder ein bisschen laufen. Einer der Aussichtspunkte war ein Vogelbeobachtungs-Verschlag Dieser Birdhide machte seinem Namen alle Ehre - sämtliche Vögel versteckten sich. Nun ja, macht nix, noch weiter gelaufen, man weiß ja nie, was noch kommt (langsam dämmert mir, dass das Leben eine Reihe von Chancen ist, von denen man die meisten links liegen lässt...). Ich hatte intelligenterweise weder was zu trinken noch zu essen dabei und war schon beim Birdhide etwas unterzuckert. Aber egal. In dem trockenen Unterholz malte ich mir die ganze Zeit aus, wie ich auf eine Tiger Snake trete. Weit und breit kein Mensch. Ich sah mich schon elendiglich verelenden. Und plötzlich sah ich aus dem Augenwinkel wie sich direkt vor mir etwas bewegt. Aber es war nur ne fette Kröte. Nebst Menschen und Vögeln waren auch keine Schlangen anwesend. Und kurze Zeit später: mein erster "echter" Echidna! Das ist ein "Schnabeligel", am nächsten verwandt mit dem Schnabeltier - das besondere ist auch bei ihm die Tatsache, dass er ein eierlegendes Säugetier ist. Und war völlig entspannt mit einem Ast zugange - direkt neben dem Weg. Sehr schön. Wie praktisch, dass es hier in Queensland wärmer ist und zumindest ein Echidna nicht im Winterschlaf war.

Rainbow Lorikeets nachmittags in Hervey Bay - auch morgens gibt es ein unglaubliches Spektakel in den Bäumen rings ums Hostel...
Rainbow Lorikeets nachmittags in Hervey Bay - auch morgens gibt es ein unglaubliches Spektakel in den Bäumen rings ums Hostel...
Im Burrum Coast Nationalpark
Im Burrum Coast Nationalpark
Fette Kröte aufm Weg
Fette Kröte aufm Weg
Yippie - mein erster wilder Echidna :-)
Yippie - mein erster wilder Echidna 🙂
In dem Ast müssen doch irgendwo Ameisen sein...
In dem Ast müssen doch irgendwo Ameisen sein...

Nachdem ich mich intelligenterweise noch eine ganze Ecke auf dem Strand rumkämpfte und wieder umdrehen musste, weil es nach einer Weile kein Durchkommen mehr gab, war ich irgendwann doch tatsächlich noch ungebissen und noch mehr unterzuckert wieder an meinem Auto angekommen. Lektion gelernt: Umwege können sich trotz der Umstände lohnen 🙂

Morgen geht's dann also auf die berüchtigte Insel, die mit 42 Hektar wirklich nicht groß ist. Bin sehr gespannt, ob es dort wirklich so schön ist, wie alle sagen (und schreiben)... Ich werde berichten 🙂

Zurück in Alice Springs habe ich mich zu einer Tagestour durch die West MacDonnell Ranges angemeldet. Am nächsten Tag war es soweit. Als ich den Bus betrat sank das Durchschnittsalter schlagartig um gefühlt 20 Jahre... Nachdem ich die Tour im YHA (der Jugendherberge) gebucht hatte, war ich etwas ... nun ja, irritiert, wirklich ausnahmslos ältere Herr- und Damenschaften zu sehen.
Im Laufe des Tages musste ich aber (mal wieder) feststellen, dass es wieder mal nur eines dieser Vorurteile war... Wobei ich im Laufe des Tages zum ersten Mal Australier auf die Aborigines schimpfen hörte. Warum sie sich denn keinen Job suchen würden und immer nur auf der Straße rumlungern. Und dass das ja nun wirklich entsetzlich sei und die Städte verschandeln würde. Zum Glück war unser Busfahrer (übrigens ein Deutscher, der in einem Urlaub vor dreißig Jahren in Down Under hängen blieb...) und diverse andere Teilnehmer hinreichend gewappnet gegen diesen Schwachsinn. Die Aborigines hängen bestimmt nicht freiwillig apathisch in den Straßen rum. Dank der Weißen können sie ihren seit Jahrzehntausenden praktizierten und äußerst nachhaltigen Erd-verbundenen Lebensstil schlichtweg nicht mehr fortführen. Das weiße Australien tut sich immer noch schwer, sich mit den Ureinwohnern zu arrangieren (ein Problem, dass es übrigens auf Tasmanien nicht mehr gibt, dort starb die letzte Aborigine in den Dreißiger Jahren - Tasmanien ist nicht nur deshalb ein Beispiel für menschenunwürdiges Verhalten - da hilft auch das Umbenennen von Van Diemens Land in Tasmanien nichts). Ich werde es wirklich NIE begreifen, warum die Menschen sich nicht einfach in Ruhe lassen können.

Gut, bevor das hier zu politisch wird... Der Ausflug machte Station an den Highlights westlich von Alice Springs; Wasserlöcher, Risse im Gestein u.ä. Besonders schön fand ich The Ochre Pit, eine Art Steinbruch mit wunderbar bunten Steinschichten, an denen auch heute noch die Aborigines ihre traditionellen Farben herstellen. Entsprechend empfindlich hoch sind Geldstrafen für den Fall, dass man als Tourist mit Steinen von diesem Ort erwischt wird.

Morgendliche Wolken kämmen die West McDonnell Ranges
Morgendliche Wolken kämmen die West McDonnell Ranges
Simpsons Gap
Simpsons Gap
Ein Rock Wallaby bei Simpsons Gap
Ein Rock Wallaby bei Simpsons Gap
Ormiston Gorge
Ormiston Gorge
Wasserspiegelungen an der Ormiston Gorge
Wasserspiegelungen an der Ormiston Gorge
Ochre Pit
Ochre Pit
Ochre Pit
Ochre Pit
Die Farben sind wirklich sehr intensiv
Die Farben sind wirklich sehr intensiv
Stein + Wasser = Farbe
Stein + Wasser = Farbe

Ein Stück weiter, in Glen Helen gab es Mittagessen, und als ein Hubschrauber-Pilot in die Runde fragte, ob jemand einen Flug machen möchte, meldete sich ein Ehepaar. Nach ein paar Sekunden merkte ich, dass ich mich auch meldete. Ups. 🙂
Immerhin kostete die Minute nur ca. 10 AUD - also ein echtes Schnäppchen. 😉 Der Flug dauerte nur ca. 12 Minuten - das waren trotz sämtlicher Weihnachts- und Geburtstags-Geschenk-Auspackzeiten meiner Kindheit die kürzesten zwölf Minuten meines Lebens. Oh Mann. Wie cool war das. Ca. 20cm neben dem Abgrund (Türen werden allgemein überbewertet und wurden dementsprechend wegrationalisiert). Ein wirklich sehr einprägsames Erlebnis. Und dank der Tatsache, dass das Ehepaar hinten saß, hatte ich also auch noch das Vergnügen einer praktisch freien 120°-Sicht.

Aufgrund der Regenfälle der letzten Wochen ist das Outback viel grüner als normal
Aufgrund der Regenfälle der letzten Wochen ist das Outback viel grüner als normal
Das Bett des Finke River bei Glen Helen
Das Bett des Finke River bei Glen Helen
Hier sieht man wenigstens mal etwas rote Erde...
Hier sieht man wenigstens mal etwas rote Erde...
Ein kleiner Regenwassertümpel, der in ein paar Tagen wieder verschwunden sein wird
Ein kleiner Regenwassertümpel, der in ein paar Tagen wieder verschwunden sein wird
Die West MacDonnell Ranges
Die West MacDonnell Ranges
Blick auf die West MacDonnell Ranges (Blick nach Osten; rechts von der Mitte befindet sich Glen Helen)
Blick auf die West MacDonnell Ranges (Blick nach Osten; rechts von der Mitte befindet sich Glen Helen)
Das Bett des Finke River kurz vorm Aufsetzen. Schade, schon vorbei. :-(
Das Bett des Finke River kurz vorm Aufsetzen. Schade, schon vorbei. 🙁

Ein insgesamt wirklich schöner Ausflug. Am Nachmittag hörten wir es bei einem Stopp oben im Gewölk grummeln, freuten uns aber, dass das Gewitter vorüberzog. Bis wir dann nach Alice Springs zurückkamen. Am Straßenrand Wasserlachen, die immer größer und tiefer wurden. Der Stuart Highway war gesperrt (das wäre so, als ob in Darmstadt zur Rush Hour die Rheinstraße gesperrt wäre). Dementsprechend zog sich das Hotel-Drop-Off der Teilnehmer etwas in die Länge. Und wirklich alle waren wirklich völlig aus dem Häuschen. Alice Springs war in weiß gehüllt - Hagelkörner von 10-15mm Durchmesser lagen teilweise 5cm hoch. Und - es war ja trotzdem nicht sonderlich kalt - bildete sich Nebel - vor allem über dem Todd River. Überall lagen abgerissene Äste von bis zu Unterarmdicke rum. Eine wahrlich postapokalyptische Szenerie. Im Hostel erfuhr ich von einer Zimmerbewohnerin, dass im Innenhof das Wasser 15cm hoch stand.
Und der Todd River? Sah durchaus anders aus als am Morgen... Auch am nächsten Morgen, als ich zum Flughafen fuhr, war zwar der Nebel weg, aber der Todd River war endlich einmal das, was er ureigentlich auch ist - ein Fluss.

Hagelkörner, Regen, Schlamm, Nebel in Alice Springs
Hagelkörner, Regen, Schlamm, Nebel in Alice Springs
Nebel nach dem Hagelsturm in Alice Springs
Nebel nach dem Hagelsturm in Alice Springs
Es ist WIRKLICH neblig!
Es ist WIRKLICH neblig!
Der Todd River - mal anders...
Der Todd River - mal anders...
Krasse Hagelkörner in Alice Springs
Krasse Hagelkörner in Alice Springs
Wassergucken - seltene Attraktion in Alice Springs (nicht nur für Touristen)
Wassergucken - seltene Attraktion in Alice Springs (nicht nur für Touristen)
Der Todd River am nächsten Morgen
Der Todd River am nächsten Morgen

Inzwischen bin ich an der Ostküste in Noosa. Das Outback und seine unbeschreibliche Weite wird mir fehlen!

Ja, endlich hab ich wieder echtes Internet. Und nicht nur das, auch einen vollen Bauch und einen ganz leckeren australischen Pinot Grigio. Nachdem ich gestern erfolglos versucht habe, mal wieder ein Sandpaket um die halbe Welt zu schicken, hat es heute im Prinzip geklappt. Wobei nicht sicher ist, dass der australische Zoll die Sandpäckchen beschlagnahmt... Ansonsten habe ich gestern zum ersten Mal quasi den ganzen Tag im Hostel rumgelungert (in Shorts und Sandalen - wie lange ist das her...); dabei den Marsianer ausgelesen: Man ist beim Lesen ja schon neugierig, was als nächstes schiefgeht. Durchaus kurzweilig. Ob das Medienecho bei Mars One wohl auch so groß sein wird? Naja, mal sehen, ob es dazu überhaupt kommt...

Wie dem auch sei, hier ein kurzes Update zu meinen letzten Tagen. Am Flughafen von Alice Springs bekam ich ein kostenloses Upgrade auf meinen gebuchten Zweitürer. Welch ein Monstrum - aber durchaus nett, wenn während des Überholens eines 50 Meter langen Road Trains beim Drücken des Gaspedals das Auto tatsächlich schneller wird. 😉

Das Outback von oben
Das Outback von oben
Oh je, ein Toyota (und was für einer) - ob das gut geht?
‘Oh je, ein Toyota (und was für einer) - ob das gut geht?

Im Gegensatz zu meiner guten alten Tradition, sämtliche Toyotas die mir in die Finger kommen zu schrotten, blieb dieser tatsächlich heile. Muss ich wohl noch üben...

Nach einer Nacht in einer wirklich netten relaxten Jugendherberge in Alice Springs bin ich also die ca. 500 km zum Ayers Rock gerollt. Ach, wie hab
ich das Outback vermisst. Frei nach dem Motto "Der Tank ist voll, der Kopf ist leer" war das ein gemütliches Vor-Mich-Hinlenken (mehr muss man bei Automatik und Cruise Control ja kaum noch machen). Und ich war den ganzen Tag zunehmend Endorphin-durchflutet (Sonnus hat's mitbekommen, als ich ihre Mail beantwortete - das war wirklich ein passender Moment! 🙂

Mein Auto, meine Straße, mein Outback - welch gefühlte uneingeschränkte Freiheit
ŽMein Auto, meine Straße, mein Outback - welch gefühlte uneingeschränkte Freiheit
Panorama vom Mt. Connor Lookout
Panorama vom Mt. Connor Lookout

Wie dem auch sei, es hat ja bekanntermaßen fast alles mindestens ein Ende, insofern wurde ich dann recht abrupt wieder auf den Boden der realen Welt geholt, als ich am Abend dann noch zur Sunset Viewing Area fuhr und die ganzen Zweibeiner sah, die mit Campingstühlen, Thermoskanne und Decken bewaffnet auf das Schauspiel des Sonnenuntergangs warteten. Der Mensch ist doch ein drolliges Wesen. Als ob die Sonne nur an diesem Tag untergehen würde. Aber gut, ich war ja auch da und ich geb es gerne zu: das Farbspiel des Uluru (gelblich - orange - rot - grau) war schon schick - und der Sonnenuntergang selbst auch.

Es wurden immer mehr. Wo kamen die nur alle her?
Es wurden immer mehr. Wo kamen die nur alle her?
Erst gelblich...
Erst gelblich...
... dann orange ...
... dann orange ...
... dann rot ...
... dann rot ...
... und schließlich grau
... und schließlich grau
Er macht sich auch nicht schlecht ...
Er macht sich auch nicht schlecht ...

Am nächsten Tag bin ich dann direkt zum großen roten Felsen (es gibt praktischerweise einen Drei-Tages-Eintritts-Pass in den Nationalpark) und brav drumrum gelaufen. Kopfschüttelnd feststellend, dass es immer noch Menschen gibt, die trotz der wirklich unübersehbaren Bitte der Anangu doch hinaufklettern. Wobei sie das inzwischen wohl auch sperren können - es würde mich aber nicht wundern, wenn das nur bei absurd hohen Temperaturen geschieht, um dem Survival-of-the-Fittest mal wieder ein Schnippchen zu schlagen...
Ich war zumindest nicht oben (auch wenn es mich durchaus gereizt hätte). Auf dem Drumrum-Weg von ca. 10 km gibt es einige Passagen, in denen man nicht fotografieren/filmen soll. Ich habe mich auch da (wirklich fast immer) brav dran gehalten. Nur die Wellensittiche saßen (vermutlich absichtlich) in einer dieser "Ätsch-Du-darfst-mich-hier-nicht-fotografieren"-Zone. Aber da hatten sie natürlich die Rechnung ohne die fotosüchtigen Touristen gemacht (sie saßen aber auch zu verlockend auf einem toten Baum-Ast...).

Welch Hohn muss das sein für die Aborigines...
Welch Hohn muss das sein für die Aborigines...
An der Westseite
An der Westseite
Rußgeschwärzte Decke in der Männerhöhle
Rußgeschwärzte Decke in der "Männerhöhle"
Schöne Bank
Schöne Bank
Ganz schön zerfurcht, der Gute...
Ganz schön zerfurcht, der Gute...
Zwei Wellensittiche - fast wie auf der Sababurg, nur irgendwie "echter" :-)
Zwei Wellensittiche - fast wie auf der Sababurg, nur irgendwie "echter" 🙂
Das Hirn des roten Riesen ...
Das Hirn des roten Riesen ...

Auf der Südseite entdeckte ich dann das Herz des Uluru (wie viele das wohl bisher gesehen haben?). Wirklich sehr romantisch; und darunter eine Wasserstelle - ohne Touristen wäre auch diese ein wahrlich schönes Plätzchen...

... und das Herz desselben
... und das Herz desselben
Und nochmal mit Körper drumrum
Und nochmal mit Körper drumrum

Am zweiten Tag ging es dann zu den Olgas bzw. Kata Tjuta, nicht weit weg vom Uluru. Den Wanderweg "Valley of the Wind" fand ich noch abwechslungsreicher als den Weg um den Ayers Rock. Und er machte seinem Namen alle Ehre - im Valley war es nicht nur schattig sondern auch wirklich windig. Willkommen, goose bumps.

Kata Tjuta in der Morgensonne
Kata Tjuta in der Morgensonne
Auf zu Kata Tjuta
Auf zu Kata Tjuta
So weit ist es schon gekommen...
So weit ist es schon gekommen...
Der Uluru kann auch blau sein (die Entfernung macht's möglich)
Der Uluru kann auch blau sein (die Entfernung macht's möglich)
Juhu, endlich wieder nervig laut schwatzende Zweibeiner
Juhu, endlich wieder nervig laut schwatzende Zweibeiner
Valley of the Wind; Blick nach Osten
Valley of the Wind; Blick nach Osten
Auf dem Valley of the Winds Walk
Auf dem Valley of the Winds Walk
Olga aus der Nähe
Olga aus der Nähe

Für Abends hatte ich noch einen der letzten Plätze für eine Field of Light Tour ergattert (die, die mein Zimmergenosse und ich am liebsten genommen hätten, war schon ausgebucht - insofern gab es keinen Panoramablick von oben sondern nur das Feld selbst). Das Field of Light ist eine Kunstinstallation von Bruce Munro, die gerade am Uluru aufgebaut ist (noch bis März 2017). Das sind ca. 50.000 Leuchtkugeln, die auf einer ca. 5 Hektar großen Fläche aufgebaut sind und in verschiedenen, wechselnden Farben strahlen (nicht allzu hell, die Milchstraße war trotzdem noch prima zu erkennen). Alles übrigens solarbetrieben und mehrfach verwendet und recycled (das muss man heutzutage als Künstler wohl so machen - stand auch im MONA in Hobart bei diversen Exponaten). Die Lichter sind über Glasfaser miteinander verbunden - das macht das ganze Spektakel noch eine Spur interessanter, weil die "Glasfaser-Hubs" etwas Asymmetrie in die Geschichte bringen.
Diese Kunstinstallation fand ich absolut hammermäßig. Selten hat mich Kunst so berührt (schon wieder die goose bumps). Bin ja eh ein Fan von bunten Lichtinstallationen - aber diese Größe und darüber die Milchstraße, das war wirklich bezaubernd. Und da haben nicht mal die zwei Busladungen Touristen allzusehr gestört, da man auf einem recht langen Weg mittendurch laufen konnte und beliebig viel fotografieren durfte. Ich war mal wieder von meinem neuen Handy und meiner kleinen Kamera begeistert, was die bei den wirklich schlechten Lichtverhältnissen rausgeholt haben.

Welch ein spektakuläres Ende meiner kurzen Zeit am Uluru!

Field of Light Kunstinstallation von Bruce Munro bei Yulara
Field of Light Kunstinstallation von Bruce Munro bei Yulara
Es sah WIRKLICH toll aus!
Es sah WIRKLICH toll aus!
Eine Kugel aus der Nähe
Eine Kugel aus der Nähe
Ich sag doch: Toll
Ich sag doch: Toll

Am nächsten Tag ging es schon wieder weiter zum Kings Canyon. Und endlich gab es auch Dingos. Am Ayers Rock hatte ich keinen einzigen gesehen (soll aber durchaus einige geben). Am Kings Canyon stand am nächsten Morgen einer rotzfrech in der Küche, offenkundig damit beschäftigt, die Einzelteile des Mülleimer-Inhalts möglichst gleichmäßig im ganzen Raum zu verteilen. Na, nicht mit mir, Kumpel. Ein anderer geisterte um die Draußen-Tische des Cafés herum - während der Küchen-Schlächter eigentlich ganz hübsch war, war der Tisch-Streuner eher von der Sorte "Aschfahl im Gesicht". Vielleicht hatte der in seinem Leben schon zu viele Mülleimerdämpfe eingeatmet und verlegte sich darum auf das Touristen-Mitleid-Erheischen.

Der Rim Walk oben am Kings Canyon entlang war meines Erachtens die spannendste Wanderung der letzten Tage. Der Canyon ist wirklich toll. Teils über 100m hohe Felswände (die z.T. wie mit dem Messer geschnitten aussehen), schichtige runde Huppel ("Domes") oben auf der "Hochebene" und am Ende (bzw. Anfang) des Canyons ein Billabong (Wasserloch), das ganzjährig Wasser führt, der "Garden of Eden". Gerade letzteren fand ich unglaublich toll und friedlich. Schon wieder diese Magie. Auf quasi allen Seiten von hohen Felswänden eingeschlossen wachsen hier Palmen, große Eukalypten und anderes. Toll. Und weißer Sand. Mitten im roten Outback. 🙂
Die Friedlichkeit wurde - natürlich - nur von laut schwatzenden Zweibeinern gestört. Manchmal wünscht man sich einfach eine Erbsenwurfmaschine, um für Ruhe zu sorgen... Wobei, so ganz ruhig wurde es nicht, weil ab und an der "Grey Strike-Thrush" rumflötete (gesehen hab ich ihn nicht). Ein wirklich sehr passender Sound für den Garten von Eden.

Nun ja, auch am Kings Canyon gibt es natürlich eine Sunset Viewing Platform, aber der Sonnenuntergang war bei weitem nicht so spektakulär (das war am Uluru tatsächlich am Schönsten). Und abends in der verhältnismäßig leeren BBQ-Kneipe gab es sogar Live-Musik von Rod Dorsett. Nie gehört. Macht nix. Hätte letztlich genauso gut auch in Texas sein können. Aber ganz witzig und passte zum BBQ. Und zur Feier des Tages gab es mal was anderes als Nudeln mit Soße (es lohnt sich für ne Woche nicht wirklich, ernsthaft einzukaufen).

Einer der hübscheren Dingos
Einer der hübscheren Dingos
Zackige Wand im Kings Canyon
Zackige Wand im Kings Canyon
Blick auf die Südwand
Blick auf die Südwand
Die Nordwand
Die Nordwand
"The Domes"
"The Domes"
Hab ich schon erwähnt, dass ich es wirklich TOLL finde, durchs Outback zu cruisen?
Hab ich schon erwähnt, dass ich es wirklich TOLL finde, durchs Outback zu cruisen?

Nun bin ich wieder in Alice Springs (wieder in derselben YHA, sogar im selben Bett), Auto ist abgegeben und Flug nach Brisbane am Samstag ist gebucht (Mietwagen ist angefragt für vier Wochen, Rückgabe in Cairns). Ich hatte ernsthaft überlegt, an die Westküste zu fahren (ca. 90% der Traveller, mit denen ich mich unterhalten habe, waren an der Westküste und schwärmten von ihr - Schnorcheln mit Walhaien und gesundes Riff direkt am Strand zum Beispiel). Aber nachdem dort die Mietwagen mit Einwegmiete wirklich absurd teuer sind und ich auf Busfahren oder Campervan allein irgendwie nicht rechte Lust habe (letzteres ist mir - man höre und staune - zu einsam, ersteres zu unbequem - bin ja keine 20 mehr), statte ich also doch der Ostküste einen Besuch ab. Mal sehen, ob ich sie wieder erkenne... 😉

Das eigentliche Problem mit dem Reisen ist ja, dass die Things-to-see-in-my-life-Liste nicht kürzer sondern immer länger wird. Mist aber auch.

Morgen mach ich noch eine Tour mit in die West MacDonnell Range, nachdem die PalmValley Tour leider schon ausgebucht war. Aber laut Amy an der Rezeption ist diese hier eh viel besser. We will see...

Das war jetzt dank Sabbelwein einer der längsten Posts, glaube ich. Hut ab für alle, die bis zum Ende durchgehalten haben! 🙂